Berlin : Jugendforscher: Die Neigung zu Gewalt ist früh erkennbar

Annette Kögel

In Berlin wurde jetzt ein Modellprojekt zur Verhinderung von Gewalttaten und Amokläufen von Schülern gestartet. Beim „Leaking-Projekt“ entwickeln Wissenschaftler der Freien Universität ein Konzept, wie Pädagogen besser auf Signale frustrierter, suizidgefährdeter und gewaltbereiter Jugendlicher reagieren können. Dies wurde gestern während eines Expertenforums der Freien Universität Berlin zum Thema Jugendgewalt mitgeteilt.

Oft würde früh beispielsweise „durchtröpfeln“ (leaking), wenn etwa Hauptschüler Attacken planen, sagte Projektleiter Herbert Scheithauer. „Ein Jugendlicher aus Norddeutschland beschrieb im Aufsatz, wie er Lehrer töten will. Ein anderer zeichnete Totenköpfe mit der Warnung, ihn endlich in Ruhe zu lassen, sonst werde etwas passieren.“

Hier setzt das von der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin finanzierte Projekt an. Um Kinder aus bildungsfernen Schichten früh zu fördern, müsste es Präventionsprojekte schon in Kitas geben, forderte Scheithauer. So könne man sozial-emotionale Defizite, etwa bei der Wahrnehmung von Gefühlen wie Wut und Trauer, beheben. Studien zufolge haben Gewaltpräventionsprojekte immer dann Erfolg, wenn die Selbstwahrnehmung von Jugendlichen gestärkt, ihre Eltern einbezogen würden, sagte FU-Wissenschaftler Dieter Kleiber.

Wenn Schüler straffällig wurden, müssten Jugendrichter mehr darauf achten, welches Anti-Gewalt-Training für welchen Tätertyp geeignet sei, sagte Jugenddelinquenz-Experte Jürgen Körner. „Es bringt nichts, jemanden, der auf Erwachsene als Vorbilder achtet und der im Kreise Gleichaltriger unsicher ist, in eine Gruppenmaßnahme zu stecken.“

Die Jugendgewalt-Experten der Polizei auf dem Podium, Jochen Sindberg und Susanne Bauer, brachen eine Lanze für die Jugend. „Die Jugendgewalt-Statistik ist seit Jahren rückläufig, deswegen ist der gesellschaftliche Trend, Jugendliche zu stigmatisieren, fatal“, sagte Bauer. Sie plädierte dafür, Jugendlichen mit Migrationshintergrund deutlicher Grenzen zu setzen, ihnen aber auch mehr Chancen zu geben – und, so formulierte es Sindberg, „sie mehr in dem Gefühl zu bestärken, zu dieser Gesellschaft zu gehören“.

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