Jugendgewalt : Mehr Geld für Prävention

Steglitz-Zehlendorf kann trotz massiver Finanzprobleme alle 14 Schulstationen erhalten, denn "Schulstationen wirken sich positiv auf das Schulklima aus“, so die Bildungsstadträtin der Grünen. Neukölln will gleich sieben neu eröffnen.

Susanne Vieth-Entus

Die monatelangen Diskussionen über Jugendkriminalität und Kindesvernachlässigung zeigt Wirkung: Neukölln will zum neuen Schuljahr sieben neue Schulstationen eröffnen, die alle im sozial besonders belasteten Norden eingerichtet werden sollen. 625.000 Euro sollen dafür bereitgestellt werden. Darüberhinaus hat der Bezirk Steglitz-Zehlendorf beschlossen, trotz der massiven Haushaltskürzungen alle 14 Schulstationen zu erhalten. Damit wird sich die Gesamtzahl der Berliner Schulstationen von 66 auf 73 erhöhen.

Die soziale Lage des Bezirks verändere sich „weiter so dramatisch“, dass das Bezirksamt an entsprechenden „ Prioritätensetzungen“ nicht vorbeikomme, begründete Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) die Entscheidung. Der Bezirk wolle zudem „ein deutliches Zeichen zur gegenwärtigen Diskussion um Jugendkriminalität zugunsten der Prävention setzen“, fügte er hinzu.

Neukölln hatte zuletzt damit Schlagzeilen gemacht, dass der Bezirk aus eigenen Mitteln Wachpersonal an Schulen finanzierte. Damals war den Bezirkspolitikern vorgeworfen worden, am falschen Ende zu investieren. Allerdings hatten die Schulen das Angebot gern angenommen. Auch bei den Schulstationen sollen die Schulen selbst entscheiden. Eine erste Rundfrage habe bereits ergeben, dass die Nachfrage da sei, bestätigt Bildungsstadtrat Wolfgang Schimmang (SPD).

„Schulstationen wirken sich positiv auf das Schulklima aus“, sagte Anke Otto, Bildungsstadträtin der Grünen in Steglitz-Zehlendorf. Die Sozialpädagogen könnten die Kinder in Problemsituationen auffangen, den Eltern Beratungsangebote machen, in Krisen vermitteln und einen kurzen Draht zum Jugendamt herstellen. Insgesamt würden die Stationen mit den Sozialpädagogen zu einer „enormen Beruhigung“ an den Schulen führen, resümierte Anke Otto.

Die Erleichterung darüber, dass im Bezirk alle 14 Schulstationen erhalten werden können, ist so groß, dass es jetzt im Frühjahr ein großes Fest geben soll. Anlass ist das zehnjährige Bestehen der ersten Schulstation im Bezirk am Droste-HülshoffGymnasium. Es soll „hochkarätiger Besuch“ kommen und flankierend Vorträge und Veranstaltungen geben. Wie berichtet, gibt es im Bezirkshaushalt eine Finanzierungslücke von 1,3 Millionen Euro im Jugendbereich. Wie die geschlossen werden soll, weiß Stadträtin Otto noch nicht. Fest steht bisher nur, dass nicht an den Schulstationen gespart wird.

Die Kosten für eine Schulstation belaufen sich – zumindest in Neukölln – auf etwa 75 000 Euro im Jahr. Die Stellen werden ausgeschrieben und an freie Träger vergeben. Anders als früher sollen die Aufgaben nicht von ABM- oder MAE-Kräften übernommen werden, damit die personelle Kontinuität gesichert ist. Laut Bildungsverwaltung sind zurzeit 30 Schulstationen aus Landesmitteln finanziert und 36 aus Bezirksmitteln.

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