Jugendgewalt : Messerverbot auf Berlins Straßen und Plätzen

Auf Initiative von Berlins Innensenator Körting hin hat der Bundestag ein schärferes Waffengesetz beschlossen. Fachleute bleiben jedoch skeptisch und sprechen von einem "Symbol der Hilflosigkeit".

Rainer W. During,Tanja Buntrock

Messer gehören in Berlin zum Machogehabe vieler Jugendlichen dazu, die Zahl der Messerattacken hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Damit soll Schluss sein. Gestern beschloss der Bundestag eine von Innensenator Ehrhart Körting (SPD) initiierte Verschärfung des Waffenrechts. Messer mit mehr als zwölf Zentimeter Klingenlänge und Springmesser werden künftig in der Öffentlichkeit verboten sein, falls der Bundesrat wie erwartet zustimmt. Untersagt sind auch echt wirkende Schusswaffenattrappen.

Bereits seit Herbst 2007 können Bundesländer einzelne Kriminalitätsschwerpunkte zu Sperrzonen erklären. Nur Hamburg hat dies genutzt, dort gilt seit Dezember für die Reeperbahn ein Verbot. In Berlin wartete der Innensenator auf eine generelle Regelung. Das neue Gesetz werde helfen, insbesondere der Jugendgewalt zu begegnen, zeigt sich Ehrhart Körting zufrieden. „Dem Trend bei Jugendlichen, Waffen zu tragen, muss man mit allen Mitteln entgegenwirken“, so der innenpolitische Sprecher der SPD-Abgeordnetenhausfraktion, Thomas Kleineidam.

„Gerade in Berlin sitzt das Messer bei Jugendlichen immer lockerer“, sagte der CDU-Innenexperte Frank Henkel. Deshalb sei der Handlungsbedarf groß, die Novelle ein „weiterer Schritt in der richtigen Richtung“. Der Innensenator müsse aber noch erklären, wie er das Verbot angesichts der „dramatischen Personalsituation“ bei der Polizei durchsetzen will.

Es gehe nicht darum, „jetzt flächendeckend Messerkontrollen bei unbescholtenen Bürgern durchzuführen", erläuterte Innensenator Körting. Wer ein Messer etwa aus beruflichen Zwecken bei sich trage, dürfe dies weiterhin tun. Am Gürtel eines Jugendlichen habe es dagegen nichts zu suchen. Die Gesetzesänderung biete eine Handhabe, bei Schwerpunkteinsätzen die Messer einzuziehen und Verfahren gegen Beteiligte einzuleiten. „Verbote sind kein Allheilmittel, aber sie tragen zum Bewusstseinswandel bei.“

„Raubüberfälle und Messerstechereien sind eh schon verboten“, so der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Eberhard Schönberg. Diejenigen, für die eine Waffe als Statussymbol dient, würden sich auch nicht an das neue Gesetz halten. Es treffe „ehrliche Menschen, die seit 20 Jahren mit dem Fahrtenmesser am Müggelsee spazieren gehen“, nicht aber die „ganz wenigen Leute“, die für die ständig zunehmende Gewaltproblematik verantwortlich seien. Für Schönberg ist die Novelle ein „Symbol der Hilflosigkeit der Politik“. Die Polizei sei zu einer Kontrolle personell nicht in der Lage. Wichtiger als Verbote ist aus seiner Sicht die Jugendarbeit in Kindergärten und Schulen.

Polizeipräsident Dieter Glietsch begrüßte das Gesetz ausdrücklich. Aus Statistiken zur Jugendgewalt gehe hervor, dass Messerattacken in den letzten Jahren deutlich zugenommen haben. Von der Möglichkeit, verdachtsunabhängige Überprüfungen beispielsweise an kriminalitätsbelasteten oder gefährdeten Örtlichkeiten durchzuführen, werde man „intensiv Gebrauch machen“, sagte Glietsch.

Als „reines Politikum, das in der Praxis nicht viel ändern wird“, sieht ein erfahrener Ermittler aus Neukölln das geplante Verbot. „Butterflymesser und solche mit einer Klingenlänge von mehr als 12 Zentimetern waren vorher auch schon verboten“, sagt er. Doch keiner der kriminellen Jugendlichen ließe sich davon beeindrucken. Zudem habe die Polizei bei Einsätzen und Kontrollen zuvor auch Messer beschlagnahmt. „Auch Messer, die nicht verboten waren, haben wir eingezogen, wenn der Jugendliche damit einen anderen zuvor bedroht hat", schildert der Ermittler. Das neue Messerverbot vereinfache für die Beamten das Ganze nur.

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