Jugendgewalt : Neue Gangart gegen Gangs

In Kreuzberg wurde ein Kiezläufer-Konzept für die Naunynstraße vorgestellt. Die Streetworker wollen mit den Jugendlichen auf "Augenhöhe" reden und als Brücke fungieren.

Eines stellten die Verantwortlichen gestern sofort klar: Ein Konkurrenzverhältnis zwischen den bisherigen Sozialprojekten rund um die Naunynstraße in Kreuzberg und der neuen Aktion „Kiezläufer“ gebe es nicht. Das Quartiersmanagement (QM) hatte zusammen mit dem zuständigen Trägerverein, dem Odak e.V, zu einem Treffen geladen. Die drei Kiezläufer waren nicht dabei. Die sollen sich nämlich in Ruhe auf ihre Arbeit konzentrieren können.

Nachdem bekannt geworden war, dass zwei junge Männer und eine Frau seit einem Monat durch das Gebiet rund um die Naunynstraße streifen, um die jugendlichen Kriminellen von der Straße zu holen, hatte es viel Wirbel gegeben. Nun stellten die Jugendstadträtin Monika Herrmann (Grüne) und der Geschäftsführer des Trägervereins Odak e.V, Orhan Akbyik, das Konzept vor. Als „Ergänzung zu der bisherigen sozialpädagogischen Arbeit“, seien die Kiezläufer zu sehen. Zunächst ist das Projekt, für das das QM 29 000 Euro zur Verfügung gestellt hat, auf drei Monate befristet. Es sieht nicht nur die drei Kiezläufer für die Naunyn-, sondern auch drei Streetworker für die Admiralstraße vor. Dadurch, dass die Kiezläufer, alle Anfang 30, selbst eine kriminelle Vergangenheit haben, könnten sie „mit den Jugendlichen auf Augenhöhe sprechen“, sagte Akbyik. Die Kiezläufer sollten „als Brücke fungieren“, um die Jugendlichen für die schon vorhandenen Angebote in den Freizeiteinrichtungen, wie der „Naunynritze“, zu motivieren. Akbyik ist zuversichtlich, dass die Kiezläufer, die selbst in der Gegend groß geworden sind, und früher teilweise der berüchtigten Jugendgang „36 Boys“ angehörten, den richtigen Zugang zu den Jungen in der Gegend bekommen. Die Jugendstadträtin befürwortet das Projekt, sieht es aber auch mit einiger Skepsis: „Das ist ein sehr sensibler Bereich hier. Da kann man nicht einfach mal irgendwas probieren“, sagt Monika Herrmann. Sie hat zur Bedingung gemacht, dass die Kiezläufer „in enger Absprache mit den schon bekannten Streetworkern von Gangway“ arbeiten sollen. tabu

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