Berlin : Jugendgewalt: Weniger Taten, aber brutaler

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Die Zahl der von Jugendlichen begangenen Straftaten sinkt zwar, aber die Täter werden immer brutaler. So lässt sich die Entwicklung zusammenfassen, die gestern sowohl Thema bei Justizsenatorin Karin Schubert (SPD) als auch Gegenstand einer Anhörung im Rechtsausschuss des Abgeordnetenhauses war. Schubert wertete die Arbeit der seit einem Jahr arbeitenden Spezialabteilung Intensivtäter als Erfolg. Die Zahl der Straftaten sei merklich gesunken. Ein Grund dafür sei, dass zunehmend Anführer krimineller Jugendbanden inhaftiert würden. 158 Intensivtäter seien als solche registriert, rund 60 von ihnen in Haft.

Zum Thema Jugendgewalt hörte der Rechtsausschuss gestern Experten. Sie waren einig, dass eine zunehmende Brutalisierung festzustellen sei, nicht aber darüber, wie damit umzugehen ist. LarsOliver Lück, Leiter des Anti-Gewalt-Zentrums Berlin, plädierte dafür, Gewalttätern klare Grenzen zu setzen. In seinen Anti-Gewalt- und Coolness-Trainings werde auf Konfrontation gesetzt. „Die haben schon so viele Opfer produziert, nun sollen sie auch einmal selbst Leid erfahren, damit sie wissen, wie das ist“, sagte Lück. Oft seien die Teilnehmer hinterher sogar dankbar, weil sie sich ernst genommen fühlten. Diese harte Gangart blieb im Ausschuss umstritten. Lück berichtete außerdem von Brutalität in den Schulen. „Lehrer brechen vor mir weinend zusammen, weil sie mit der Aggressivität der Schüler nicht zurechtkommen“, sagte er. Auch Mädchengewalt steige drastisch.

Einigkeit bestand darin, dass problematischen Jugendlichen mehr Hilfen angeboten werden müssten. Thomas Meißner von der Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen sagte: „Wer Gewalt anwendet, erlebt Macht.“ Das gefalle vielen, die nur Ohnmachtserlebnisse kennen. Elvira Berndt vom Verein Gangway berichtete, viele wüssten nichts mit ihrem Leben anzufangen. Auf Beratung müssten sie zu lange warten. fk

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