Jugendkriminalität : Junge Dealer blieben spurlos verschwunden - vor fünf Jahren

Vor fünf Jahren ging das Katz-und-Maus-Spiel weiter: Die beiden elf- und 13-jährigen Dealer, die bereits mehrfach der Polizei ins Netz gegangen und in Heime gebracht wurden, aus denen sie wieder geflüchtet waren, blieben verschwunden. Was Christoph Stollowsky darüber schrieb.

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Jugendliche Dealer narren die Polizei
Jugendliche Dealer narren die PolizeiFoto: Kai-Uwe Heinrich

„Wir haben sie vermisst gemeldet“, sagte am Sonntag ein Polizeisprecher. Es laufe keine Fahndung wie nach strafmündigen Tätern.

Unterdessen hat der Integrationsbeauftragte des Senats, Günter Piening, davor gewarnt, in der Debatte um kriminelle Kinder die Themen Einwanderung und Kriminalität undifferenziert zu vermischen. Das Ganze gerate sonst in Schieflage. Man müsse bedenken, dass es sich bei den jungen Drogenhändlern um „absolute Ausnahmefälle“ handele. Fast 50 Prozent aller Heranwachsenden in Berlin hätten einen Migrationshintergrund. Viele Familien seien integriert. Es dürfe in der Debatte um die Kinderdealer nicht der Eindruck entstehen, ausländische Herkunft und Kriminalität hingen zusammen. Piening: „In den Heimen sind auch deutsche Jugendliche untergebracht.“

Sollte der Elfjährige wieder aufgegriffen werden, wollen ihn die Behörden in einem Heim für kriminelle Kinder in der Uckermark unterbringen. Fernab von Berlin werde es ihm schwerer fallen, sich abzusetzen, heißt es. Dass der junge Palästinenser als unbegleiteter Minderjähriger eingeschleust wurde und hier den Status eines Asylbewerbers hat, ist laut Innenverwaltung kein Hindernisgrund. Für Asylbewerber gilt zwar die sogenannte „Residenzpflicht“ – sie dürfen sich ohne Erlaubnis nur innerhalb von Berlin frei bewegen – „im Einzelfall“ könne man diese Auflage aber aufheben, sagte am Sonntag Behördensprecherin Kristina Tschenett.

Der zweite untergetauchte 13-jährige Dealer ist in Berlin aufgewachsen. Er stammt aus einer kriminellen Großfamilie arabischer Herkunft. Wird er erwischt, wollen die Behörden auch ihn in das Wohnprojekt für straffällig gewordene Kinder- und Jugendliche in der Uckermark bringen. Das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk betreibt zwar keine geschlossene Einrichtung, hat aber ein konsequentes Konzept mit strengen Regeln und Rundumbetreuung.

Der Beitrag erscheint in unserer Rubrik "Vor fünf Jahren"

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