Jugendkriminalität : Zahl der Intensivtäter stagniert

Das harte Vorgehen gegen jugendliche Kriminelle wirkt sich anscheinend aus. Die Zahl der Intensivtäter steigt kaum noch an. Allerdings nehmen die "Schwellentätern" zu.

Jörn Hasselmann

BerlinDie Zahl junger Serientäter wird in den kommenden Jahren auf etwa 800 bis 900 zunehmen; die Zahl steigt aber langsamer als in der Vergangenheit. Dies sagte Generalstaatsanwalt Ralf Rother gestern bei der Vorstellung des ersten Leistungsberichts in der 162-jährigen Geschichte der Berliner Strafverfolger. Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) begründete den Bericht damit, dass die "Kriminalität in der Hauptstadt unter besonderer Beobachtung steht".

Neben den etwa 500 Intensivtätern werden derzeit 200 sogenannte Schwellentäter in einer speziellen Abteilung der Staatsanwaltschaft "betreut". Während die Zahl der Intensivtäter (mehr als zehn Gewalttaten) seit einem Jahr stagniert, wird bei den erst seit einem Jahr separat erfassten "Schwellentätern" (mehr als fünf Gewalttaten) ein schneller Anstieg auf 300 bis 400 erwartet, sagte Rother. Ziel dieser zweiten Spezialabteilung ist, die Karrieren jugendlicher Schläger möglichst frühzeitig zu stoppen. Im Jahr 2003 war die Intensivtäterabteilung bei der Staatsanwaltschaft gegründet worden, sie gilt seitdem bundesweit als Vorbild. Jeweils ein Staatsanwalt ist für denselben Täter zuständig und kann mit seiner Kenntnis der kriminellen Vorgeschichte gezielter eingreifen. Auch die neue Abteilung hat nach Angaben der Justiz funktioniert. Erst ein junger Mann ist vom Schwellentäter zum Intensivtäter "aufgestiegen". Etwa 70 Prozent dieser 700 Serientäter haben einen Migrationshintergrund, sagte Rother: "Da gibt es nichts schönzureden." Nicht darin enthalten sind die Russlanddeutschen, ebenfalls mit einem beträchtlichen Anteil. Der vor einem Jahr versetzte Leiter der Intensivtäterabteilung hatte deshalb einen Wert von knapp unter 80 Prozent genannt.

Mehr als 400 Intensivtäter wurden im Jahr 2007 angeklagt, in diesem Jahr bereits 300. Etwa ein Drittel sitzt in Haft. 2007 wurden 65 Namen von der Liste gestrichen - sie fielen nicht mehr auf oder sitzen dauerhaft im Gefängnis. Der Generalstaatsanwalt betonte, dass die Ermittler am Ende einer Entwicklungskette stünden. Gespräche mit Familien und Schulen müssten früher einsetzen. In dem Bericht heißt es, jugendliche Straftäter ausländischer Abstammung oder Nationalität hätten vielfach den Respekt vor staatlicher Gewalt verloren, weil sie erlebten, dass selbst schwere Straftaten keine staatlichen Sanktionen zur Folge haben. Diesem Verlust an Respekt lasse sich nicht allein mit Erziehungsmaßnahmen entgegenwirken. "Strafe ist hier unverzichtbar."

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