Berlin : Jugendliche bauen sich eine Straße

Die Rütlistraße wird umgestaltet – wenn die Nachbarn mitspielen

Tanja Buntrock

Die Zukunft der Neuköllner Rütlistraße liegt in Markus’ Händen. Zumindest packt der 16-jährige Hauptschüler der Rütli-Oberschule mit an. Zwei- bis dreimal die Woche kommt er mit seinen Klassenkameraden und anderen Jugendlichen aus dem Kiez im Jugendclub „Manege“ gleich gegenüber der Schule zusammen, sägt Sperrholzplatten klein, hämmert und leimt die Holzstückchen zu einem Modell zusammen. Damit die Vision anschaulich wird.

Aus der tristen, mit nur wenigen, dafür aber schmutzig-grauen Fassaden gesäumten Rütlistraße im Norden Neuköllns, soll die erste „Jugendstraße“ Deutschlands werden: eine Fußgängerzone, knallbunt und spannend. Initiiert wird das Projekt vom Verein „Fusion“. Wolfgang Janzer, Künstler und Vorstand des Vereins, leitet zugleich den Jugendclub „Manege“. Dort ist auch die Werkstatt untergebracht. Janzer koordiniert die Arbeit in den Gruppen, entwickelt zusammen mit den Jugendlichen die Ideen.

Zwei aus Pappmaché, mit Figuren verzierte Eingangstore am Anfang und Ende der Straße schweben den Jugendlichen vor, ebenso eine Bühne für „Kiezkonzerte“ und eine Halfpipe für Skater. Zwei Oberschulen und eine Kita gehören sowieso schon zu der Straße, „optimale Bedingungen, um dieses Projekt gerade hier umzusetzen“, sagt Janzer. An das Ende der Rütlistraße grenzen eine Kleingartenkolonie und ein Gewerbegebiet. „Die wollen wir auch mit einbeziehen, wie genau, steht allerdings noch nicht fest“, sagt Janzer. Im Februar sollen erste „Ergebnisse der Planungsphase“ vorgestellt werden. Insgesamt rechnet der Projektleiter mit vier Jahren, bis die „Jugendstraße“ fertig ist. Ermöglicht wird das Projekt über das Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“. Die Gelder dafür stammen vom Bund, Senat und aus EU-Mitteln. Zudem unterstützen der Bezirk und das Quartiersmanagement Reuterkiez das Projekt. An der Finanzierung wird die Idee also nicht scheitern. Doch die Nachbarn aus angrenzenden Gebieten und die Anwohner müssen noch überzeugt werden. „Wenn die Mehrheit der Bürger sich gegen das Projekt stellt, ist die „Jugendstraße“ gefährdet“, sagt Janzer.

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