Berlin : Jugendliche Selbstmörder: Die aktuelle Frage: Wie hilft man lebensmüden Kindern?

Warum flüchten schon junge Menschen in den To

Sie sind noch nicht einmal volljährig - und setzen ihrem Leben schon ein Ende: Jugendliche, die mit Problemen nicht mehr klar kommen. Welche Alarmsignale senden lebensmüdige Kinder aus, und wie sollten Freunde, Lehrer und Eltern darauf reagieren? Annette Kögel sprach mit Gerd Storchmann vom "Verein für suizidgefährdete Kinder und Jugendliche e.V. - Neuhland".

Warum flüchten schon junge Menschen in den Tod?

Die Pubertät zwischen Kindheit und Erwachsenendasein ist eine sehr schwierige Zeit. Jugendliche sind gerade erst dabei, die eigene Identität zu finden und stellen alles - auch sich selbst - ständig in Frage. Die Schule wird schwerer, Sexualität verunsichert sie. Wenn dann Probleme drücken, stellen sich manche Jugendliche den Tod als etwas Positives vor: Wenn ich nicht mehr leben müsste, hätte ich wenigstens meine Ruhe.

Was sind Alarmsignale, bei denen Familie und Freunde aufhorchen müssen?

Es fängt manchmal damit an, das Jugendliche Särge oder Kreuze malen. Andere schreiben Abschiedsbriefe, die sie herum liegen lassen oder erzählen sogar davon, dass sie sich umbringen wollen. Oftmals ziehen sich Lebensmüde zurück, wollen über nichts mehr sprechen, verschlechtern sich in der Schule und werden depressiv.

Muss man denn solche Zeichnungen tatsächlich so ernst nehmen? Jugendliche kokettieren doch gern mit Extremen.

Es ist in jedem Fall ernst zu nehmen. Manchmal sollen Suizidversuche jemand bestimmtes aufmerksam machen, zum Beispiel die Mutter, aber auch diese Versuche können schief gehen und dann tödlich enden.

Soll man Betroffene direkt auf Suizidgedanken ansprechen, oder bringt man sie dadurch nicht erst auf die Idee?

Nein, niemand braucht Angst zu haben, schlafende Hunde zu wecken. Keiner wird einen Betroffenen erst dazu anregen, sich umzubringen. Im Gegenteil: Auch für Kinder und Jugendliche ist es sehr entlastend, über solche Fantasien zu reden. Es sollte sich auch niemand scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen - etwa von Beratungsstellen wie uns, Notdiensten, Jugendämtern, Erziehungsberatungen oder Therapeuten. Denn allein ist man mit einem lebensmüden Menschen oft überfordert. Ihn nur zu überwachen, kann auch nichts verhindern.

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