Berlin : Jugendmesse "You": Hauptsache Spaß und Action

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Mit diesem Andrang hatten die Veranstalter der dritten Jugendmesse "YOU" unter dem Berliner Funkturm in diesem Jahr wohl nicht gerechnet. Am Sonnabend mussten manche Besucher bis zu eineinhalb Stunden darauf warten, bis zu den Kassen zu gelangen, was sich zwischenzeitlich auch in lautstark und handgreiflich geäußertem Unmut bemerkbar machte. Bis zum Nachmittag kamen weit über 100 000 Besucher auf das Messegelände, im letzten Jahr waren es zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 66 800.

Ohne die sterilen Hallen, die trendigen Messestände und die dröhnenden Bässe könnte man sich fast wie auf einem riesigen Jugendcamp fühlen. Aber hier geht es wohl weniger um kommunikativen Ideen-Austausch (wie vom Zeltlager her gewohnt), als darum, möglichst schnell möglichst viel bislang aus Altersgründen für unnötig gehaltene Produkte an den Jugendlichen zu bringen. Dieser hat schnell erkannt, dass die Welt vor allem aus Spaß und "Action" besteht. Zu diesem Ziel gelangt er mittels der drei Komponenten Sport, Musik und Schönheitspflege.

All das gibt es auf rund 100 000 Quadratmetern en masse. Wer sich auf eine der zahlreichen Bühnen wagt und gerne eine Weile unter grellen Scheinwerfern sitzt, bekommt von der Blondierung bis zur Peeling-Creme das Neueste vom Neuen an den Kopf geschmiert. Für die Sportlichen gibt es überall Basketballkörbe und wer mag, kann auf Mountainbikes um lila Kühe herumfahren. Eine echte Herausforderung bietet der Skate-Parcours, auf dem mit Rollerblades, Skateboards und City-Rollern halsbrecherische Kunststücke vorgeführt werden. Dazu wird der Besucher mit HipHop, Techno, House oder schlicht Chart-Pop-Musik übergangslos auf seinem Weg durch die Hallen begleitet. Auch hier kann er auf die Bühne rauf: Stars werden mittels Karaoke oder per Crash-Kurs im Showtanz geboren. Getreu dem Motto der Messe: "Mitmachen, anfassen, ausprobieren".

Mitten in diesem Meer der fun-orientierten Kurzlebigkeit gibt es die eine oder andere Insel der Beschaulichkeit. So müht sich die Gruppe um ein großes Schachbrett redlich, den Vorbeihastenden eine "sinnvolle Freizeitbeschäftigung" näher zu bringen. Nicht einfach, wenn nebenan Spiele-Software oder Hamburger-Gutscheine locken. Auch der FDP-Stand sieht etwas verloren aus. "Uns sind gerade die Bonbons ausgegangen", zuckt die junge Liberale mit den Schultern und macht auch sonst nicht den Eindruck, als fühle sie sich sonderlich wohl.

Vielleicht hilft ja das Berliner Bus-Unternehmen, das schon für wenig Geld zu über 350 Orten in ganz Europa fährt. Eine echte Alternative sind womöglich auch die Job- und Sprachangebote, die in der einen oder anderen Ecke beworben werden. Und vielleicht geraten sie nicht ganz so schnell in Vergessenheit, wie der kontrollierte Bungee-Sprung vor dem Halleneingang.

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