JUGENDSCHUTZ : Wer Alkohol will, der kriegt auch welchen

JUGENDLICHE TESTKÄUFER



Unter 18-Jährigen dürfen weder Schnaps noch Alkopops verkauft werden, unter 16-Jährigen auch kein Bier oder Wein. Aber halten sich auch alle Geschäfte dran? Das wollte die Senatsinnenverwaltung wissen. Da sich der Bezirk Marzahn-Hellersdorf zugute hält, auf diesem Gebiet gewissenhaft zu kontrollieren, wollte er auch den ersten Test bestreiten. Die Polizei schickte im Februar und März ihre Azubis als Testkäufer in verschiedene Supermärkte des Bezirks. Ergebnis: Fast überall konnten sie problemlos Schnaps kaufen. Den Vorschlag solcher Testkäufe hatte die damalige Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) vor Jahren geäußert, dann aber zurückgezogen.

EMPÖRTE POLITIKER

Jugendstaatssekretär Andreas Statzkowski und Bezirksstadtrat Christian

Gräff (CDU) zeigten sich am Mittwoch bestürzt über den laxen Umgang mit dem Jugendschutz in Berlin. „Ich wollte zunächst gar nicht glauben, dass es Jugendlichen in Berlin noch immer möglich ist, an Supermarktkassen unkontrolliert harten Alkohol zu kaufen“, sagte Statzkowski. Stadtrat Gräff sekundiert: „Dass nur ein einziges Mal das in allen kontrollierten Supermärkten installierte elektronische Warnhinweissystem vom Verkaufspersonal beachtet wurde, zeugt noch immer von mangelnder Verantwortung der Beschäftigten in den Supermärkten.“ Die Filialleitungen müssten jetzt intensiver in die Pflicht genommen werden. Der Versuch mit den Testkäufen soll auf andere Bezirke ausgeweitet werden.

NÄCHTLICHE STREIFEN

Andere Bezirke führen bisher keine Testkäufe durch. Sie versuchen Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz auf andere Weise zu verfolgen. Neukölln etwa schickt jedes Wochenende nachts Sonderstreifen durch die Partyzonen des Bezirks. Die Streife, genannt Soko Suff, griff vergangenes Jahr 45 alkoholisierte Jugendliche in Kneipen, Parks und auf Spielplätzen auf. fk

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