Berlin : Jugendsenator: 35 000 Hortplätze in Kitas abbauen

Kinderbetreuung wird in Ganztagsgrundschulen verlagert

Susanne Vieth-Entus

Berlins Kita- und Grundschullandschaft steht vor einem radikalen Umbau. Im Parlament bekräftigte Jugendsenator Klaus Böger (SPD) gestern seine Absicht, die Vorklassen in die Kitas zu verlagern. Außerdem kündigte er an, dass der Ausbau der Ganztagsschulen zum Abbau aller 35 000 Hortplätze führen wird. Das Hortpersonal könne „überwiegend in die Grundschulen wechseln“.

Anlass für Bögers Auftritt im Abgeordnetenhaus war eine Große Anfrage der CDU-Fraktion zum Wegfall von rund 1000 Stellen im Kitabereich. Wie berichtet, sollen diese Stellen unter anderem durch eine Vergrößerung der Hortgruppen erbracht werden. Allerdings wird die Aufregung um diese Kürzungen inzwischen überlagert von der neuen Entwicklung in den Grundschulen.

Wie berichtet, könnten die rund 130 Millionen Euro Bundesmittel ausreichen, um flächendeckend Ganztagsgrundschulen anzubieten. Dies würde im Laufe dieser Legislaturperiode zur Folge haben, dass es keinen Bedarf an Hortplätzen mehr gibt. Und damit wäre wiederum die Aufregung um die Kürzungen beim Hortpersonal obsolet.

Böger ging aber auch auf die geplante Qualitätsoffensive bei den Kitas ein. Denn angesichts der geplanten Verlagerung der Vorklassen an die Kitas gibt es erhebliche Bedenken bei Eltern und Fachleuten, ob die Erzieherinnen für diese Aufgabe überhaupt gewachsen sind. Böger kündigte an, dass ein Expertenteam aus Wissenschaftlern und Kita-Fachleuten jetzt ein „Bildungsprogramm“ für die Kitas erarbeiten wird. Soeben habe die Finanzverwaltung für diese Auftragsvergabe grünes Licht gegeben. Dieses Bildungsprogramm soll bereits zum Kitajahr 2003/04 vorliegen und dann mit der Nationalen Qualitätsinitiative der Bundesregierung abgestimmt werden. Flankieren will Böger diese Bemühungen mit einer Verdoppelung der Fortbildungskapazitäten für Erzieher von 1000 auf 2000 Plätze.

Damit sind aber noch nicht alle Neuerungen genannt, die auf die Kitas zukommen. Es bleibt dabei, dass weitere Einrichtungen an freie Träger übergeben werden sollen. Außerdem sollen die verbleibenden kommunalen Träger in eine neue Rechtsform übergehen. Damit einher geht die Umstellung der jetzigen Kitaplatzvergabe. Künftig soll es eine Gutscheinfinanzierung geben. Dies bedeutet: Die Jugendämter vergeben an junge Eltern eine so genannte Kitacard, mit der sie ihre Betreuungsansprüche bei den verschiedenen Kitaträgern geltend machen können.

Durch die Übertragung an freie Träger will der Jugendsenat 30 Millionen Euro pro Jahr einsparen. 42 Millionen Euro sind laut Böger bereits im Doppelhaushalt 2002/03 bei den Kitas eingespart worden. Dies entspreche einer zehnprozentigen Kostenabsenkung bei der Tagesbetreuung.

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