Berlin : Jugendwerk wird jetzt auch noch verklagt

EJF-Mitglied wehrt sich gegen den Vorwurf, eine Kampagne gegen Vorsitzenden zu führen.

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Die Auseinandersetzung innerhalb des Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerks (EJF) um die staatsanwaltlichen Ermittlungen wegen Untreuevorwürfen gegen den Vorstandsvorsitzenden Siegfried Dreusicke spitzt sich zu. Nachdem Mitglieder des Aufsichtsrats bei einer Pressekonferenz am Donnerstag die Vorwürfe als „Kampagne“ der beiden Vereinsmitglieder Wolfgang und Astrid Lipps bezeichnet hatten, setzten der Rechtsanwalt und seine Frau dem Kontrollgremium eine Frist zum Widerruf der Aussagen bis Freitagabend – anderenfalls werde am Montag eine Strafanzeige wegen Verleumdung und übler Nachrede erstattet.

„Das lassen wir uns nicht bieten“, sagte Wolfgang Lipps. Der Rechtsanwalt war engagiert worden, nachdem der EJF-Chef Dreusicke vor etwa drei Jahren schon einmal unter Beschuss geraten und sogar fristlos gekündigt worden war. Dreusicke hatte sich mit Lipps Hilfe wieder eingeklagt. Nun aber scheint das Tischtuch zerrissen, seitdem Lipps die Aufklärung der Vorgänge um den Untreuevorwurf gegen Dreusicke verlangt. Die Affäre war durch eine Anzeige ins Rollen gekommen, mit der Lipps „nichts zu tun hat“, wie er versichert.

Wie berichtet wird gegen den EJF-Chef ermittelt. Dieser hatte einen Beratungsvertrag mit der Baufirma MBN mit Hauptsitz in Georgsmarienhütte im Jahr 2008 abgeschlossen. Knapp ein Jahr zuvor beschloss das EJF, den knapp drei Millionen Euro schweren Auftrag für den Bau einer Seniorenresidenz in Lichtenrade an die Berliner Niederlassung der MBN zu erteilen, die zuvor schon zwei EJF-Aufträge erhalten hatte.

Nach einem internen Schreiben an alle Vereinsmitglieder soll Dreusickes Beratungshonorar rund „40 000 bis 45 000 Euro“ betragen haben. Dreusicke selbst wollte die „die Höhe des Honorars“ nicht nennen. Und der EJF-Chef sowie sein Aufsichtsrat bestreiten jeden Zusammenhang zwischen dem Honorar und dem Bauauftrag. Dreusickes Bezüge beim EJF betragen 150 000 Euro.

Mit den scharfen Attacken gegen Lipps dreht die EJF-Spitze den Spieß gleichsam um: Ein großer Teil der Beratungshonorare in Höhe von 90 000 Euro, die der EJF nach Angaben seines Aufsichtsrats im vergangenen Jahr ausgegeben hat, seien an Lipps geflossen. Dies weist der Rechtsanwalt scharf zurück: Er habe Mandate zwischen 2005 und 2008 von der Einrichtung gehabt und ein großer Teil davon seien Prozess- und Notariatskosten für die Verfahren zum Schutz von Dreusicke sowie in dem Streit um die geplatzte Fusion mit der Sozialeinrichtung Lazarus gewesen. Im Jahr 2009 seien „nur noch Restbeträge“ geflossen, sagt Lipps.

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