Berlin : Juhnke im Kupfermantel

Galerist startet neues Gedenk-Experiment für den Entertainer

Thomas Loy

Mit der Juhnke-Straße wird es noch ein bisschen dauern. Frühestens in fünf Jahren. Ist ja gerade erst unter der Erde, unser Harald. Aber ein Denkmal geht jetzt schon. Muss auch sein, weil Harald ja selbst gesagt hat: „Ich bin der Größte.“

Der erste Versuch ging reichlich schief. Sein ehemaliger Schulfreund und Mit-Alkoholiker Joachim Brunken beauftragte eine Bildhauerin, den Harald in Stein zu hauen, fand das Ergebnis dann so hässlich, dass er die Skulptur mit einem Juhnke-Porträt überklebte. Das nächste Gedenk-Experiment ist bereits in der Planungsphase. Juhnke-Fan, Gastronom und Galerist Claus Bubolz aus Niederschöneweide möchte seinen Harald vor den Friedrichstadtpalast stellen. 2,6 Meter hoch soll das Denkmal werden, weil Juhnke, diesmal im Kupfermantel, auf einem Barhocker sitzen soll, eine Zigarette rauchend, aber ohne Bierglas.

Es sind die einfachen, eher unbekannten Menschen aus dem Kiez, die Juhnke ehren möchten. In den prominenten Kreisen seiner Ex-Kollegen will dieses sensible Thema offenbar niemand anpacken. „Wir haben nichts gehört und auch nichts initiiert“, heißt es im Theater am Kurfürstendamm, wo Juhnke oft aufgetreten ist. Otfried Laur, Chef des Berliner Theaterclubs, findet es auch gar nicht nötig, dem Harald ein Denkmal zu setzen. „Er ist ja in unseren Herzen.“ Erst neulich, beim Essen mit Edith Hanke, habe man sich über ihn unterhalten – Geschichten gibt es ja genug zu erzählen.

Vielleicht braucht einer wie Harald Juhnke kein Denkmal, damit man sich an ihn erinnert. Wahrscheinlich passt so ein starrer Bronzebrocken auch gar nicht zu seinem Image als sinnenfroher Draufgänger. Seine Witwe, Susanne Juhnke, äußert sich nicht zu den Denkmal-Initiativen. „Das hat einen unseriösen Anstrich“, sagt der Vertraute der Familie, Peter Wolf. „Da wollen sich einige Leute wichtig machen.“ Wenn von offizieller Seite mal eine Anfrage käme, würde sich Frau Juhnke aber nicht dagegen sperren, glaubt Wolf.

Aber das offizielle Berlin sieht dazu gegenwärtig keine Veranlassung. Vize-Senatssprecher Günter Kolodziej verweist auf das Ehrengrab für Harald Juhnke. „Das ist eine angemessene Würdigung seiner Verdienste.“

Auf ein kolossales Standbild zu Pferde Unter den Linden muss Harald der Große wohl vorerst verzichten. Vor wenigen Jahren scheiterte Filmproduzent Artur Brauner mit seiner Idee, Marlene Dietrich vor das Theater am Potsdamer Platz zu stellen. Der Alt-Bezirk Tiergarten und Debis weigerten sich aus „ästhetischen Gründen“.

Wenn es schon mit der Weltberühmtheit der Dietrich nicht klappt, wie soll dann der Gernegroß Juhnke ein hauptstadtwürdiges Denkmal bekommen? Mehr als die Ehrungen seiner Weddinger Kiez-Kumpel ist erstmal wohl nicht drin.

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