Berlin : Juhnke jr. muss büßen

Verfahren gegen Zahlung von 2500 Euro eingestellt

Kerstin Gehrke

Oliver Juhnke bekam einen „spontanen" Prozess und eine Geldbuße von 2500 Euro. Die Nachricht kam überraschend: Die Berliner Justiz kann doch ganz spontan sein. Jedenfalls bewies sie das gestern im Falle von Oliver Juhnke. „Ganz spontan“ sei der für Freitag geplante Prozess vorgezogen worden, sagte eine Pressesprecherin. Auch sie war überrascht. Es hieß, der Spross des TV-Entertainers Harald Juhnke sei am Freitag verhindert. Es war zu hören, dass es um einen wichtigen Termin im Zusammenhang mit seinem kranken Vater ging. Der an Demenz erkrankte Harald Juhnke lebt, wie berichtet, seit Monaten in einem Heim bei Berlin.

Jedenfalls ließ Justitia mit sich reden. Und heimlich still und leise kam der 30-jährige Oliver Juhnke mit einem blauen Auge davon: Er muss eine Geldbuße von 2500 Euro zahlen, dann wird das Verfahren um Körperverletzung und Fahren ohne Führerschein wegen geringfügigen Verschuldens eingestellt.

Es ging um eine Rangelei mit einem Fotografen und um eine Fahrt mit einem so genannten Go-Ped, einem motorgetriebenen Tretroller. Am 1. April 2000 soll Oliver Juhnke in der Schöneberger Diskothek „90 Grad“ einen Fotografen beleidigt und auf die Brust geschlagen haben. Das Sorgenkind der Juhnke-Familie bestritt das. Er und sein Verteidiger sollen von einem möglicherweise ganz gemeinen Spiel gesprochen haben. Das Opfer habe zunächst Geld von Juhnke verlangt. Als er sich weigerte, die geforderten 10 000 Mark zu zahlen, sei es zur Strafanzeige gekommen. Die Version einer provozierten Auseinandersetzung stand im Raum. Es hieß, dem Gericht seien Zweifel gekommen. Das Gericht hielt Oliver Juhnke ferner zugute, dass er angesichts der Aufregungen um seinen Vater etwas überreagiert haben könnte.

Der zweite Vorwurf der Anklage war ein eher peinlicher. Am 7. August 2000 soll die Polizei Oliver Juhnke um 23.50 Uhr auf dem Kurfürstendamm erwischt haben. Mit dem Roller mit Hilfsmotor sei er übers Pflaster geprescht. Allerdings ohne Führerschein. In diesem Fall sei fraglich gewesen, ob ein gegen den Angeklagten verhängtes Fahrverbot „überhaupt rechtswirksam war“, sagte eine Sprecherin. Der „schnelle Termin“ in Sachen Juhnke sei ohne Zeugen über die Bühne gegangen.

Oliver Juhnke muss nun für die Justizkasse in die Tasche greifen, aber er wird zufrieden sein. Denn bei der Go-Ped-Fahrt stand er als verurteilter Verkehrssünder unter Bewährung. Und er wird Justitia, die auch bei Söhnen bekannter Väter unversöhnlich bleibt, diesmal aber so ganz spontan war, auch aus einem anderen Grund dankbar sein: Die Begegnung mit Journalisten blieb ihm erspart. Dass er sie nicht sonderlich mag, ist nachvollziehbar. Seit Jahren erregt Oliver Juhnke vor allem durch Gesetzesübertritte Aufsehen und musste immer wieder spöttische Schlagzeilen über sich, den Berufssohn, ertragen. Wie gut, dass es diesmal den Termin des berühmten Vaters gab.

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