Berlin : Juhnkes Kumpel erzählt

Ein Themenabend über den verstorbenen Volksschauspieler im Kaffee Burger

Sebastian Leber

Das Publikum bei Juhnkes Erfolgssendung „Musik ist Trumpf“ sah anders aus. 30 Szenegänger in Jeans und Turnschuhen hatten sich am Mittwoch zum Harald-Juhnke-Themenabend im Kaffee Burger in Mitte eingefunden. Wo sonst die Russendisko und andere schräge Partys stattfinden, sollte nun des vor drei Monaten verstorbenen Berliner Entertainers gedacht werden.

Moderator Falko Hennig liest aus Juhnkes Biographie und zeigt per Video-Beamer Ausschnitte aus dessen Filmen und Fernseh-Auftritten: Wie Harald Sinatra sang, in Schtonk mitspielte, verschiedenste Auszeichnungen entgegen nahm.

Als „Gastexperten“ hat der Moderator Joachim Brunken eingeladen: Der 64-Jährige stammt wie Juhnke aus dem Soldiner Kiez in Wedding, hat dieselbe Schule besucht und mit dem jungen Harald „viele jute Sachen“ erlebt. Amüsiert lauscht das Publikum den Erzählungen des älteren Herrn, auch als es ernst wird. Denn noch etwas verbinde ihn mit Harald, sagt Brunken: „Die Alkoholsucht, mit der hatten wir zwei hart zu kämpfen.“ Während sein prominenter Kumpel nach Abstürzen immer wieder von Freunden aufgefangen worden sei, habe ihn selbst die Sucht geradewegs in die Obdachlosigkeit getrieben: „25 Jahre lebte ich am Bahnhof Zoo auf der Straße, manchmal kam Harald und steckte mir fünfzig Mark zu.“

Dafür und für Juhnkes Leistungen als Schauspieler wolle sich Brunken nun bedanken – mit einem Harald-Denkmal im Soldiner Kiez. Die 1,60 Meter große Statue solle schon bald in der Nähe von Juhnkes Elternhaus aufgestellt werden: „Das hat der Mann verdient, trotz seiner Trinkprobleme.“ Das Thema Alkohol zieht sich wie ein roter Faden durch das Gespräch. Nur kurzfristig gibt’s mal etwas Abwechslung: Harald und die Bühne, Harald und die Frauen, Harald und Eddi.

Dann aber wieder Harald und der Alkohol. Im Film „Der Trinker“ habe Juhnke sehr überzeugend einen Süchtigen gespielt, meint Brunken: „Das hätte kein Safttrinker so hingekriegt.“ Brunken selbst hat 1996 „dem Teufelzeug Alkohol“ abgeschworen und betreibt seitdem im Wedding eine Begegnungsstätte für Suchtkranke. Was für eine tolle Lebensgeschichte, findet Moderator Falko Hennig und kündigt sogleich einen Joachim-Brunken-Themenabend an. Beim nächsten Mal aber noch nicht – da ist erstmal der Arbeitersänger Ernst Busch an der Reihe.

Nächster Themenabend im Kaffee Burger am 27. Juli, 21 Uhr, Torstraße 60

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