Julian Zude bei "Wetten, dass...?" : Und jetzt lernt er die U-Bahn-Ansagen

Julian Zude kennt Berlins S-Bahn-Netz auswendig. Das hat der Zehnjährige bei „Wetten, dass...?“ gezeigt und wurde damit der Star des Abends. Dabei kommt er gar nicht aus Berlin, sondern ist nur dreimal im Jahr bei seinen Großeltern an der Spree.

von
Umringt von Prominenten - aber Julian Zude war an diesem Abend der eigentliche Star.
Umringt von Prominenten - aber Julian Zude war an diesem Abend der eigentliche Star.Foto: dpa

Alle waren sie baff. Und dann jubelten sie dem Jungen auf dem Sofa zu, der mit klarer Stimme, so sicher wie ein Bahnabfertiger, immer schön der Reihe nach eine Station nach der anderen nannte – mitsamt aller Umsteigemöglichkeiten. Zum Beispiel im Süden zwischen Baumschulenweg und Schönefeld. Applaus im TV-Studio für Julian Zude, den Zehnjährigen, der vermutlich jeden Fahrgastbetreuer der Berliner S-Bahn mit seinen phänomenalen Verbindungs- und Streckenkenntnissen in den Schatten stellt. Und das, obwohl der Junge nicht mal in Berlin wohnt, sondern nur dreimal im Jahr seine Großeltern und die Tante an der Spree besucht. Doch am Samstag, bei der „Wetten, dass…?“-Premiere mit Markus Lanz bewies Julian anlässlich der Kinderwette, dass er das gesamte S-Bahnnetz auswendig kennt.

„Wie fährst du von Oranienburg zur Bornholmer Straße?“, wurde er gefragt. Und Julian legte los: „Klar, Linie S 1, Lehnitz, Borgsdorf, Birkenwerder, Übergang zum Regionalverkehr; Hohen Neuendorf, Übergang zur S 8, Frohnau, Hermsdorf, Waidmannslust … Bornholmer Straße, Übergang zur S 2, S 8, S 85 und S 9.“ Comedy-Frau Cindy aus Marzahn, die ihn spontan mit Verbindungen konfrontierte, konnte ihn keine Sekunde verunsichern. „Der Kleine ist ein Hammer. Er hat den Ton der Durchsagen in den Triebwagen total drauf“, twitterten TV-Zuschauer schon während der Sendung. Auch Berlins S-Bahnchef Peter Buchner sei „absolut begeistert“, verkündete ein Unternehmenssprecher am Sonntag. Die S-Bahn will Julian nun seinen größten Wunsch erfüllen. Im Studio bekam er ein Ticket überreicht für „einen tollen Tag bei uns, natürlich mit Fahrt im Führerstand der S 1“.

Lanz moderiert "Wetten, dass...?"
Ein neues Gesicht, sonst aber ganz die Alte: Die Sendung "Wetten, dass...?" - erstmals moderiert von Markus Lanz - präsentierte sich am Samstagabend pompös wie immer. Auf dem Sofa saßen Superstars wie Campino von den Toten Hosen, Sylvie Van Der Vaart, Rafael Van Der Vaart, Karl Lagerfeld, Bülent Ceylan, Rolando Villazon, Hannelore Kraft und Wotan Wilke Möhring. Die viel interessantere Frage aber war: Wie würde sich "Der Neue" schlagen? Kann Markus Lanz "den Thommy machen"?Weitere Bilder anzeigen
1 von 13Foto: dpa
07.10.2012 08:07Ein neues Gesicht, sonst aber ganz die Alte: Die Sendung "Wetten, dass...?" - erstmals moderiert von Markus Lanz - präsentierte...

Doch wie kommt ein Kind zu einer solchen S-Bahn-Leidenschaft? Julian lebt im Städtchen Meerbusch bei Düsseldorf, verbringt aber alljährlich mehrere Wochen bei der Verwandtschaft in Berlin. „Schon als Zweijähriger gab es dort für ihn kein größeres Vergnügen, als mit der S-Bahn unterwegs zu sein“, erzählt seine Mutter. „Der Junge ist ein richtiger S-Bahn- Freak.“ Also gingen Oma, Opa und Tante Gisela mit ihm fast täglich auf Schienentour. „Das ist so toll, wenn der Wagen ruckelnd anfährt, sich die Türen schließen, das sind einfach klasse Geräusche“, schwärmte Julian am Sonntag, vom Tagesspiegel angerufen, am Telefon.

Frühzeitig fing er an, sich die Verbindungslinien zu merken, die Stationen an jeder Strecke und die Umsteigemöglichkeiten. Hat sie laut vor sich hin geplappert und zu Hause oft wiederholt. „So aus Spaß“, sagt er. Und sein Großvater befeuerte die Passion, indem er einige Bahnhöfe von Julians Brio-Holzeisenbahn zu Berliner S-Bahnhöfen umbastelte. Da habe der Junge dann rundherum im Kreis die Stationen aufgerufen, erinnern sich die Eltern. Es war also vor allem Learning by Doing, wobei Julian wohl sein gutes Gedächtnis zuhilfe kam. Er soll auch Gedichte in der Schule ruck-zuck auswendig lernen. Zur Zeit besucht er die fünfte Klasse eines Gymnasiums.

Auf die Sendung habe er sich „so gut wie gar nicht vorbereitet“, sagen die Eltern. „Er hat nicht gebüffelt, er hat das alles präsent.“ Insgesamt, so seine Mutter, 166 S-Bahnstationen. Und gefragt nach den verschiedenen Baureihen der Züge gerät Julian gleichfalls in Fahrt. Die neueren Typen 480 oder 481 gefallen ihm besser als das Vorkriegsmodell 477. Und wie kam er auf die Idee, sich beim Fernsehen zu bewerben? „Na ja“, sagt er, „etliche Leute meinten, ich sei der Richtige.“ Also schickte die Familie die Bewerbung los, die Sache kam ins Rollen.

Ob er später mal bei der Bahn arbeiten oder einen anderen technischen Beruf ergreifen will, weiß Julian noch nicht. Auf jeden Fall hat es ihm neuerdings auch die BVG angetan. Die U-Bahn sei sein jüngstes Steckenpferd, erzählt die Mutter. „Da kennt er jetzt auch schon die meisten Verbindungen.“

Und wie hat sich Markus Lanz bei seinem Debüt geschlagen? Hier geht es zu unserer Fernsehkritik

19 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben