Berlin : Jung, arm, einsam – das suchten die Sextäter

Vier Männer sollen rund 20 Mädchen wiederholt vergewaltigt haben. Nach ihrer Verhaftung ermittelt die Polizei weiter: Es soll noch Mitwisser geben

Tanja Buntrock,Judith Jenner

Nach der Verhaftung von vier Männern, die junge Mädchen zu Sex und Prostitution gezwungen haben, hofft die Polizei durch intensive Ermittlungen weitere Tatverdächtige aufspüren zu können. Die 20 betroffenen Mädchen werden weiter vernommen. Wie berichtet, ist die Kripo über die Ermittlungen zu Thomas H., der eine 15-Jährige mehrfach vergewaltigt haben soll, auf die Spur des Männerrings gestoßen. Die von diesem Ring veranstalteten Treffen oder „Partys“ fanden schon seit über einem Jahr, wenn nicht sogar länger statt, sagte ein Ermittler. Die Mädchen, damals zwischen 13 und 15 Jahren sollen am Weißen See im Bezirk Pankow „rumgehangen“ haben, hieß es bei der Kripo, das Milieu der Familien sei nicht das beste.

Haupttäter ist ein 43-Jähriger. Er hat mindestens zwei von den anderen Männern über Mund-zu-Mund-Propaganda angelockt. Die Masche der Täter war simpel: Den Mädchen habe es imponiert, dass sich erwachsene Männer für sie zu interessieren scheinen, „sie spielten den Mann von Welt, den Versteher“, sagte ein Ermittler. Das sei für solche Mädchen, die aus sozial schwachen Bindungen kommen, etwas Besonderes. Sie fühlten sich geschmeichelt, dass ein erwachsener Mann sie „irre toll“ findet. Das sei eben auch ein Stück „Erwachsenwerden“.

Der 43-Jährige und seine Kumpanen haben die Mädchen zu Drinks eingeladen und den großen Kavalier gespielt. Später sind so die privaten Treffen, die „Partys“ zustande gekommen.

Eine direkte Verbindung zwischen Thomas H. und diesem Männerring ist bislang nicht gefunden. Die Polizei kam dem Ring über die Mädchen auf die Spur. Die Männer aus Weißensee waren im September festgenommen worden, der Schöneberger Thomas H. in der Nacht zu Freitag. In der Einzimmerwohnung und im Haus eines Bekannten beschlagnahmte die Polizei Beweismaterial.

Vier Monate sollte Thomas H. auf das schöne große Haus von Bekannten im Köpenicker Ortsteil bei Karolinenhof aufpassen, während diese in Asien waren. Das zweistöckige Gebäude liegt in einer ruhigen Gegend mit Straßen aus Kopfsteinpflaster. Es hat einen direkten Zugang zum Wasser und einen großen Garten. „Wir haben Thomas verboten, mit seiner jungen Freundin hier zu wohnen“, sagte die Bekannte von Thomas H. Man wollte keinen Ärger riskieren, da das Mädchen noch minderjährig war. Der Arbeitslose sollte während der Abwesenheit der Familie das Haus renovieren. Offenbar hielt er sich nicht an die Abmachung. Auf dem Esszimmertisch der Freunde sollen pornografische Fotos mit Diana K. entstanden sein, die die Polizei am Donnerstag auf Laptops und Kameras sicherstellte.

Die Freunde von Thomas H. berichten, dass sie der minderjährigen Jana P. (Name geändert) ihr wahres Alter nicht angesehen hätten. Es sei die große Liebe gewesen, sagen sie. Das Mädchen habe sich anfangs für 18 ausgegeben. Immer wieder sei Jana auf den Strich gegangen. Thomas H. soll vor mehreren Jahren im Pornogeschäft gearbeitet haben. Auch seine Ex-Freundin, mit der er einen siebenjährigen Sohn haben soll, kommt aus diesem Milieu.

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