Berlin : Jung, musikalisch, sucht…

Svetlana Lundgren leitet die Publikumsjury beim Festival „Young Euro Classic“ und wünscht sich, dass noch viele Laien mitmachen

Matthias Oloew

Statt Kaffee nimmt sie lieber eine heiße Milch mit Honig. Svetlana Lundgren ist wegen einer Mandelentzündung ein bisschen angeschlagen. Aber matt und müde wirkt sie nicht. „Die neue Aufgabe ist sehr spannend“, sagt sie und streicht sich über ihren Bauch. Damit meint sie nicht die neue Aufgabe als Mutter, die ihr im September bevorsteht – obwohl sie sich auf ihr erstes Kind sehr freut –, gemeint ist eine andere Aufgabe, die die 30-jährige Musikwissenschaftlerin zum ersten Mal übernommen hat: Sie leitet die Publikumsjury für das diesjährige Festival „Young Euro Classic“.

Zehn Uraufführungen und drei deutsche Erstaufführungen gilt es zu beurteilen, die von den Jugendorchestern im August gespielt werden. Für sie ist die Neue Musik bekanntes Terrain – sie komponierte im Mai 2002 selbst ein Auftragswerk für Sopran und verschiedene Instrumente. Gesungen wird es in Deutsch, Englisch, Französisch und Russisch – das ist so international wie sie selbst.

In Sibirien, nahe der chinesischen Grenze geboren, studierte Svetlana Lundgren in Wolgograd und am Moskauer Tschaikowsky-Konservatorium Musiktheorie und Musikwissenschaft, ehe sie mit einem Stipendium nach Würzburg kam. Die Stadt war ihr aber etwas zu eng, und sie entschied sich vor drei Jahren nach Berlin zu wechseln, schon aus ganz praktischen Gründen: „In Berlin starten die Züge nach Moskau.“ Unterwegs zwischen beiden Städten ist sie auch heute oft. In Moskau hat sie einen Lehrauftrag am Tschaikowsky-Konservatorium, in Berlin promoviert derzeit sie an der Humboldt-Universität über die Musik des 16.Jahrhunderts.

Das Programm in diesem Jahr bietet nicht nur für Entdecker etwas, sondern auch für die Freunde großer klassischer Werke. Von Holsts „Planeten“ bis zu Sinfonien von Schostakowitsch, Mahler und Sibelius ist alles dabei. Für ihre Jury sind aber nur die neuen Werke interessant. „Sehr gespannt bin ich zum Beispiel auf Hans Werner Henze“, sagt Svetlana Lundgren – der Komponist ist mit einer Uraufführung dabei. Doch ihre Freude auf Henze soll keine Festlegung sein, schließlich ist die Jury-Vorsitzende nur eine – wenn auch die wichtigste – der Stimmen, die darüber entscheiden, welche Komposition am Ende des Festivals zur besten gekürt wird.

Zehn Plätze gibt es in der Jury, für die sich auch Leser des Tagesspiegels bewerben können. Gesucht sind interessierte Laien jeden Alters, die während des Festivals Zeit haben, sich viele Konzerte anzuhören und bei den Jury-Sitzungen teilzunehmen. Wer sich bewerben möchte wird gebeten, sich bis Montag, 19. Juli, im Festivalbüro unter der Telefonnummer 88471393 zu melden. Das Telefon ist außer am Sonnabend und Sonntag täglich von 9 bis 18 Uhr besetzt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben