Berlin : Jung wie Jünger

Werner van Bebber

entlarvt eine Berliner Propagandalüge Schön, diese Geschichten von den vielen kleinen Kindern, die jetzt in Prenzlauer Berg größer werden. Man liest vom bezirklichen Babyboom und möchte dem Regierenden Bürgermeister freundlich lächelnd zustimmen, wenn der die Jugendlichkeit der Stadt als ihr Hauptmerkmal preist: Kleine Kinder, Kids und Studenten – das ist Hormocenta für das Berliner Lebensgefühl. Fast halten wir das deutsche demographische Desaster für ein Phänomen, das vielleicht in Schwedt und Offenbach zu beobachten ist, aber nicht in Berlin. Die Statistiker aber reißen allen, die sich solch jugendlichen Träumereien hingeben, die Gurkenmaske vom Gesicht: Berlin altert genauso rasch wie der Rest der Republik. Der Durchschnittsberliner ist reife 41,7 Jahre alt und gerade einen Monat jünger als der Durchschnittsdeutsche. Soviel zum Image der Stadt. Seien wir ehrlich: Ohne die Import-Jugend beim Christopher Street Day und der Love Parade sähe Berlin faltig aus, schläfengrau und beleibt um die Hüften. Der Regierende sollte sich mal mit einem Band von Ernst Jünger in der Hand ablichten lassen: Berlin – jetzt ehrlich auf dem Weg zum Seniorenheim der Republik.

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