Berlin : Junge Christen braucht das Land

Ein Besuch beim Jugendgottesdienst im Gemeindezentrum Am Fennpfuhl

Sebastian Leber

Eigentlich gehört „Kumbaya, my Lord“ nicht unbedingt zu den Lieblingsliedern von Jakob. Wäre es nach ihm gegangen, hätte die Band eher Songs von den „Toten Hosen“ und den „Ärzten“ gespielt. Aber aus Rücksicht auf die Gemeinde – und weil ihr erster Auftritt in der Lichtenberger Kirche nicht gleichzeitig der letzte sein soll – haben sich Keyboarder Jakob und die anderen am Ende doch für klassische Kirchenlieder entschieden.

Auch die kann man laut spielen, wenn man nur genug Instrumente neben dem Altar aufstellt: Zu ihrem selbst gestalteten „Gottesdienst unplugged“ haben die Jugendlichen der evangelischen Gemeinde Am Fennpfuhl Schlagzeug, Bongos, Gitarre und Bass mitgebracht. Vor ihnen sitzen 50 Gemeindemitglieder und sind gespannt, was sich die Jugend wohl ausgedacht hat. Die Predigt übernehmen Frieda und Corinna, beide schon über 20 Jahre und mit weißen Baumwolltüchern über den Schultern – die hat Frieda aus Äthiopien mitgebracht, „das tragen die Christen dort so“. In der Predigt warnen die zwei davor, auf Eigenschaften wie Stärke, Weisheit oder Reichtum stolz zu sein (Jeremia 9, 22-23). Und erklären auch, warum: Weil es keinen Sinn macht. „Was ist schon irgendeine dusselige Schulnote wert, wenn morgen ein guter Freund stirbt?“ Oder am Beispiel der Stärke: Was nütze denn dem US-Präsidenten George Bush die militärische Stärke seines Landes, wenn „übermorgen ein Krebsgeschwür an ihm entdeckt wird?“ Reichtum, Stärke und Weisheit seien schließlich vergänglich. Worauf man wirklich stolz sein kann, steht ebenfalls bei Jeremia in der Bibel. Da sagt Gott nämlich: „Wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der Herr bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden.“ Damit ist es aber auch genug der Worte, jetzt kommt wieder Musik. Und zwar „Hewenu Schalom Alechem“, mit schneller werdendem Tempo. „Wir hoffen, sie können sich darauf einlassen“, sagt Frieda vorher noch zur Gemeinde. Klar kann die das. Und als der Schlagzeuger am Ende noch ein Solo dranhängt, kommen auch die Erwachsenen aus sich heraus. „Also, ich hätte jetzt Lust zu klatschen“, sagt eine Frau, und alle machen mit. Der nächste Gottesdienst ist den Jugendlichen schon sicher. Da können sie sich ja vielleicht an den Toten Hosen versuchen.

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