Berlin : Junge Ehefrau freigesprochen

89-Jähriger hatte sie wegen Schlägen angezeigt

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Der alte Herr klatschte beim Urteil triumphierend in die Hände, seine 58 Jahre jüngere Ehefrau zwinkerte ihm lächelnd zu: Der Prozess um Gewalt in ihrer ungewöhnlichen Ehe endete gestern im Berliner Landgericht mit einem Freispruch. Der Rentner hatte seine junge Gattin zwar angezeigt und mit seinen Aussagen bei der Polizei auf die Anklagebank gebracht. Doch in der Verhandlung war er wieder ganz auf ihrer Seite und nahm sie in Schutz. „Was stimmt nun? Oftmals liegt die Wahrheit in der Mitte“, hieß es im Urteil.

Die 31-jährige Frau ist seit rund zwei Jahren mit dem früheren Autohändler verheiratet. Ihr gehörte einst ein Frisiersalon in der Nähe einer Seniorenwohnanlage in Reinickendorf. Dort lernte sich das ungleiche Paar auch kennen. Die erste, vor fünf Jahren verstorbene Ehefrau des hochbetagten Mannes gehörte zu ihren Kunden. Nach seiner zweiten Hochzeit soll sein Vermögen zusehends geschwunden sein.

Streitereien um Geld waren es auch, die zu dem Prozess führten. Die blonde Gattin musste sich wegen räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Der Staatsanwalt hatte ihr vorgeworfen, unter Drohungen mehrfach Geld von ihrem Mann verlangt zu haben. Als er sich einmal weigerte, soll sie ihm Dezember letzten Jahres einen starken Hieb in den Rücken versetzt haben, sodass er hinfiel und sich einen Oberschenkelhalsbruch zuzog. Seitdem sitzt der Rentner im Rollstuhl.

Der weißhaarige Mann, der in Begleitung einer Betreuerin kam, zog diese Aussagen im Prozess zurück. Seine Frau sei manchmal etwas ungehalten, aber ein guter Mensch. Unvoreingenommene Zeugen für die Vorfälle gab es nicht. Die Vorwürfe ließen sich nicht nachweisen. Der Ehemann habe seiner Frau freiwillig Geld gegeben, um sie bei Laune zu halten, hieß es im Urteil. Er habe gehofft, dass sie dann endlich bei ihm einziehe. K. G.

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