Berlin : Junge Gewalttäter: Eltern sollen es richten

Wer hat noch Einfluss auf ausländische Jugendgangs? Politik und Polizei wollen Druck auf Familien erhöhen

Tanja Buntrock,Katja Füchsel

Von Tanja Buntrock

und Katja Füchsel

Sind die jugendlichen Gewalttäter nicht mehr integrierbar? Nach der organisierten Randale am 1. Mai und bei den Maientagen in Neukölln suchen Politik und Polizei nach neuen Wegen, um besser an gewaltbereite Jugendliche ausländischer Herkunft heranzukommen. Justizsenatorin Karin Schubert holt sich heute Rat im arabischen Verein „Al-Huleh“. „Um das Problem in den Griff zu bekommen, muss man bei den Eltern ansetzen“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Nader Khalil.

Erst schrieben sie als so genannte Intensivtäter Schlagzeilen: Mahmoud, dem die Polizei eine Vielzahl von Straftaten vorwarf, und der trotzdem immer wieder auf freien Fuß kam. Dann Sawis, der polizeibekannte Jugendliche, der auf einem Schulhof fünf Lehrer niederschlug und dafür von seinem Vater noch gelobt wurde: „Er hat sich nur verteidigt. Mein Sohn ist ein guter Junge.“ Nach dem 1. Mai gingen die Fotos von den ausländischen Jugendlichen auf brennden Autowracks um die Welt. Sie hatten sich in Kreuzberg verabredet, Krawall angezettelt – und waren dann in der Masse untergetaucht. „Die Polizei hat sie nicht gekriegt“, sagt der Grünen-Abgeordnete Wolfgang Wieland. Er war wie sein Parteifreund Christian Ströbele als Beobachter im Gewühl. „Ich kenne niemanden, der auf diese Jugendlichen den entsprechenden Einfluss hätte“, sagt Ströbele.

Karin Schubert (SPD) kennt die Klagen, aus Kreuzberg und Neukölln. Von den Lehrern und Sozialarbeitern, die „ratlos sind, wie sie mit den Jugendlichen umgehen sollen, wie man überthaupt in dieses Milieu der Großfamilien arabischer oder türkischer Herkunft hineinkommt“. Bei ausländischen Eltern herrscht Unsicherheit. „Viele fragen, was sie überhaupt machen können nach deutschem Recht“, sagt Karin Schubert.

Nader Khalil, stellvertretender Vorsitzende des arabischen Wohltätigkeitsvereins „Al-Huleh e.V.“ sagt, dass die Eltern auf diese Jugendlichen kaum noch Einfluss hätten. Mangelnde Sprachkenntnisse der Eltern führten dazu, dass meist der älteste Sohn die Chef-Rolle in der Familie übernimmt. „Der Sohn geht zu den Ämtern und Behörden, er fängt alle Briefe ab, geht auch zu den Elternabenden der Geschwister“, schildert Khalil. Deshalb helfe nur eines: Die Eltern müssten endlich Deutsch lernen.

Der Polizei sind sie bekannt, die „36ers“ aus Kreuzberg oder die „Herzberg Gang“ aus Neukölln. „Die haben keinen Respekt mehr vor Beamten in Uniform“, sagt ein Polizist, der sich seit langem mit gewaltbereiten Jugendlichen aus dem Kiez befasst. Viele der Bandenmitglieder seien in Familien groß geworden, die selbst in der organisierten Kriminalität verstrickt sind. „Die Kinder bekommen doch von ihren Eltern teilweise vorgelebt, dass man Gewalt einsetzen muss, um Macht und Einfluss zu bekommen.“

Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hat gesagt, ausländische Eltern verhinderten die Integration ihrer Kinder. Im Abgeordnetenhaus herrscht derweil Einigkeit, wie dem Problem begegnet werden muss. „Polizei und Justiz müssen schneller reagieren“, sagt der CDU-Rechtsexperte Michael Braun. Gleichzeitig müssten Angebote zur Integration intensiviert werden, fügt der FDP-Fraktionsvorsitzende Martin Lindner hinzu, „beispielsweise über Sport oder Musik“. Auch der grüne Ex-Justizsenator Wieland sieht ebenso Schulen, Eltern und das Quartiersmanagement im Kiez gefordert: „Beiden Seiten muss ihr Anteil abverlangt werden.“

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