Berlin : Junge kriminelle Ausländer bereiten der Polizei Sorgen

Die Entwicklung zu mehr Gewalttaten ist Ermittlern schon lange aufgefallen Jetzt scheint die Zeit reif, über die Folgen zu debattieren

Werner van Bebber

Mancher glaubt es nicht, doch die Statistik der Polizei sagt es zweifelsfrei: Einer von drei Jugendlichen nichtdeutscher Herkunft fällt durch eine Straftat auf. Bei der Polizei hat man erwartet, dass die schlechteste Nachricht aus der neuen Kriminalitätsstatistik irritiert und erschüttert: Weniger Kriminalität, sogar weniger Rohheitsdelikte unter Jugendlichen – aber steigende Delinquenz unter den jungen Männern aus Einwanderer-Familien.

Das passt zu den gegenwärtigen Multikulti-Debatten, und deshalb hat die Polizei in ihrer Statistik auf die Entwicklung hingewiesen. „Jetzt ist die Zeit reif“, sagt die Landespräventionsbeauftragte Susanne Bauer. Die Probleme mit Jugendlichen ausländischer Herkunft seien seit Jahren bekannt gewesen – jetzt aber sei die Gesellschaft bereit, die polizeilichen Hinweise ernst zu nehmen und zu überlegen, „was man machen kann“. Es sind die Akten über jugendliche Intensivtäter – das sind die, die der Polizei serienmäßig oder als besonders brutal auffallen –, die den Ermittlern sagen, unter welchen Umständen viele Kinder aufwachsen. Und warum sie so verrohen, dass sie mit 14 als Schläger, Messerstecher oder Vergewaltiger polizeibekannt werden. Großfamilien wohnen auf kleinstem Raum, Kinder schlafen auf dem Flur, haben kein Spielzeug, lernen nicht mal Deutsch. Keinen „ganz normalen Werdegang“ gebe es in den 500 Intensivtäter-Akten, sagt Susanne Bauer. Sie weiß, dass sie nichts Neues erzählt, wenn sie sagt, dass die Eltern palästinensischer Jungen aus Lagern kommen. Bei den Ex-Jugoslawen ist es die Prägung durch Bürgerkrieg, bei vielen Türken die Orientierung an archaischen Werten. Damit ist auch gesagt, wer – außer den Eltern und den Jugendlichen – die Entwicklung zu verantworten hat: Man müsse „ganz früh anfangen“, sich um die Migranten-Kinder zu kümmern, sagt Bauer. Vor allem müssten sie Deutsch lernen. Sonst treffen sie irgendwann den Oberstaatsanwalt Manfred Schweitzer oder einen seiner Kollegen aus der Intensivtäter-Abteilung der Staatsanwaltschaft. Schweitzer sieht die gleichen Ursachen der Verrohung, die auch Susanne Bauer benennt. Folge sind zunehmende Kämpfe zwischen Jugendgangs: Zehn bis 15 junge Männer, ethnisch gemischt, prügeln aufeinander ein. Seit Jahresbeginn, sagt Schweitzer, seien die Fallzahlen bei der Jugendgruppengewalt „explodiert“.

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