Berlin : Junge Reinickendorfer können Jugendparlament wählen

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Die Videos, auf denen sich die Kandidaten vorstellen, sind bereits gedreht und Broschüren mit den Porträts der Bewerber im Druck. Nach den Osterferien beginnt die heiße Phase des Wahlkampfes für das 1. Reinickendorfer Jugendparlament. Über 15 000 Jugendliche sind aufgerufen, bis Ende Juni ihre Vertreter für das Gremium zu wählen. Es soll die Kommunalpolitiker bei Entscheidungen beraten, die den Nachwuchs betreffen.

Rund die Hälfte der zunächst 60 Interessenten ist wieder abgesprungen, berichtet Andreas Steyer. Seit zwei Jahren ist er mit der Vorbereitung der ersten derartigen Jugendvertretung in einem Westbezirk beschäftigt. Ähnliche Gremien gibt es bisher nur in Lichtenberg und Friedrichhain, eine derart groß angelegte Wahl ist aber für ganz Berlin etwas Neues, sagt der Mitarbeiter des Reinickendorfer Jugendbüros. In sechs Wahlkreisen, die nach der Zahl der Schulen festgelegt wurden, bewerben sich die 13 bis 20 Jahre alten Nachwuchs-Parlamentarier um die Gunst ihrer Mitschüler für jeweils zwei bis drei Mandate. Für Frohnau/Hermsdorf werden noch Interessenten gesucht, für ganz Reinickendorf können sich noch Mädchen melden (bis 4. Mai montags bis donnerstags zwischen 14 und 19 Uhr im Jugendbüro in der Königshorster Straße 10a, Telefonnummer 40 71 40 33).

Die Kandidaten kommen aus allen Schulen, von der Sonderschule bis zum Gymnasium. Nur wenige der Interessenten gehören Jugendorganisationen von Parteien an, stellen deren Programme jedoch nicht in den Vordergrund. Politisch sind fast alle Richtungen vertreten. Unterschiedlich sehen die jungen Leute ihre künftige Arbeit. Während sich die einen an den klassischen Parlamenten orientieren möchten, wollen die anderen die Sache eher locker angehen.

Die Verbesserung der Situation an den Schulen zeichnet sich als Hauptthema des bevorstehenden Wahlkampfes ab. Auch die Erweiterung des vereinsunabhängigen Freizeitangebotes dürfte eine Rolle spielen. Einzelne Bewerber treten aber auch für das Wahlrecht ab 16 oder eine umfassendere sexuelle Aufklärung im Unterricht ein. Auf welches Echo ein Jugendlicher stößt, der strengere Lehrer fordert, bleibt abzuwarten.

Am 9. Mai beginnt die Kür der Kandidaten durch die vier bis sechs Oberschulen pro Wahlkreis. Dabei zeigt es sich, welch unterschiedliche Bedeutung die Leitungen der einzelnen Bildungsstätten dem Jugendparlament beimessen. Während teilweise eine Präsentation während des Unterrichts zugelassen wurde, bleibt anderswo nur die Vorstellung in der großen Pause. Aus organisatorischen Gründen wird an den einzelnen Schulen gleich danach oder am Folgetag abgestimmt. Die letzte Wahl folgt am 28. Juni.

"Da wir zu den Wählern gehen, rechnen wir mit einer hohen Beteiligung", sagt Andreas Steyer. Wahlberechtigt sind alle Jugendlichen, die entweder die 7. bis 13. Klasse einer Reinickendorfer Schule besuchen oder im Bezirk wohnen und zwischen 13 und 20 Jahre alt sind. Letztere können ihre Stimme im Jugendbüro abgeben. Zusätzlich werden in das Parlament vier Vertreter der Jugendfreizeiteinrichtungen gewählt. Die 21 Parlamentarier können sich dann auf einer Wochenendfahrt näher kennenlernen, bevor Anfang Juli mit der ersten Sitzung der einjährigen Legislaturperiode der Ernst des politischen Lebens beginnt.

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