Berlin : Junge Türken wollen mehr mitreden

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Sie ist 22 Jahre alt, hat gerade – „ja, etwas spät“ – ihr Abitur gemacht und fängt demnächst an zu studieren: Dilan Koç ist das neue Gesicht der Berliner Deutschtürken, oder zumindest eines davon. Seit Anfang Mai treffen sich rund 40 junge Berliner mit türkischen Wurzeln, um einen Verein zu gründen, der in der öffentlichen Debatte mitmischen soll. „Young Voice TGD“ nennen sie sich, nach der Türkischen Gemeinde Deutschland, der sie angehören. Koç und viele ihrer Mitstreiter haben mit ihren Eltern in Sitzungen der TGD gesessen und immer wieder erlebt, wie über „unsere türkische Jugend“ geredet wurde. „Wir wollen aber selbst für uns sprechen“, sagt Dilan Koç. Deshalb sei sie aktiv geworden.

Der Verein soll nicht als elitärer Studentenclub missverstanden werden. Neben Koç sind die 23-jährige Auszubildende Emel Usta und der 19-jährige Onur Sönmez zu Sprechern gewählt. Sönmez etwa sei politisch interessiert, könne sich aber mit keiner Partei identifizieren. „Hier bin ich mit Leuten zusammen, die genau meine Themen beschäftigen“, sagt der künftige Versicherungskaufmann. Welche Themen das sind? Die jungen Deutschtürken setzen sich für das Recht auf einen deutschen und türkischen Pass ein, statt sich für einen entscheiden zu müssen. „Wir sind eben beides“, sagt Sönmez. Und sie wollen mitreden, wenn es um Bildung und Sprache geht. Dass sich die türkische Jugend erst jetzt zusammentut, fast 50 Jahre nach der Ankunft der ersten türkischen Gastarbeiter, findet Dilan Koç völlig normal: „Die früheren Generationen hatten nicht die Möglichkeit, sich so zu integrieren wie wir“, sagt sie. „Und wir als jüngste Nachkommen wollen uns jetzt den Problemen stellen.“ fat

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