Berlin : Junger Tüftler am Liege-Fahrrad - Zwei Berliner Schüler ausgezeichnet

Cecilia Meusel

Leicht flitzt das Liegedreirad um die Ecke, beschleunigt, stoppt, wendet blitzschnell und rast wieder los. Nach einem weiteren Schlenker hält es an. Sein Lenker Reiner Schäfer steigt locker ab, lächelt und schiebt das Rad zum Hauseingang des farbig sanierten Plattenbaus. Reiner ist frisch gekürter Preisträger im Bundeswettbewerb "Jugend forscht". Der 17-jährige Berliner hat für das körperlange Dreirad eine automatische Gangschaltung entwickelt, die besonders armbehinderten Menschen das Radfahren erleichtern soll.

"Mein Vater hat mich auf die Idee gebracht," sagt Reiner. In Jeans und Freizeithemd gekleidet, sitzt er inzwischen in seinem Jugendzimmer. Seine Haare zu einem Zopf zurückgebunden, an den Füßen Turnschuhe. An den Holzschränken kleben Poster von Borussia Dortmund, in einem Regal steht eine Sammlung Biergläser. Der Computer ist angeschaltet. Mitten im Zimmer vor ihm aufgebaut und an einem quadratischen Holztisch kopfüber festgeschraubt: die hintere Hälfte eines türkis-grünen Kinderrads, an dem der erste Prototyp seiner Schaltung befestigt ist. Als er die Pedale greift, an der Kurbel dreht und sich das Hinterrad in Bewegung setzt, ertönt ein leises Summen. Ein Mikrocontroller misst die Geschwindigkeit, von der der Schaltvorgang abhängig ist - je schneller das Rad, desto höher der Gang und umgekehrt.

Das Liegedreirad sei ideal für die Erfindung, da es sich nur mit Beinen und Körpergewicht lenken lasse. "Ein bisschen Übung braucht man aber schon, um es zu fahren. Ich habe einige Stunden gebraucht," gibt er zu und grinst: "Meine ältere Schwester kann immer noch nicht richtig damit fahren." Beim Bundeswettbewerb in Paderborn belegte er im Fachgebiet Technik gegen 16 konkurrierende Projekte den fünften Platz. Nur ein weiterer Berliner, sein Schulfreund Ralf Rückriemen, war mit dem zweiten Platz im Fachgebiet Mathematik erfolgreicher. Sein Thema: "Vierdimensionale Fußbälle? Vom Polyeder zum Polytop - Semireguläre Körper in n-dimensionalen Räumen".

Schon vier Mal hat Reiner an "Jugend forscht" teilgenommen. Das erste Mal mit 14 Jahren. Warum? "Ach, es gibt viele Gründe." Seine Schule, das Heinrich-Hertz-Gymnasium, veranstaltet zum Thema Projektwochen. Natürlich reize ihn auch die Platzierung, der Preis und die Öffentlichkeit. "Alle kennen einen in der Schule, grüßen einen. Ist schon nett." Dann lacht er: "Auch das Schulfrei ist immer sehr schön." Ihm mache es einfach Spaß, technische Sachen möglichst einfach zu gestalten. "Ich hoffe, dass sie irgendwann mal einen Sinn ergeben und sich vermarkten lassen." An die Regionalwettbewerbe - erste Stufe auf dem Weg zum Bundeswettbewerb - gewöhne man sich. Selbstbewusst ergänzt er: "Dass ich in den Landeswettbewerb komme, war mir klar." Der Landeswettbewerb war ihm fast das Wichtigste, denn nur der Sieger kommt weiter. "Beim Bundeswettbewerb gibt es so viele gute Projekte, da ist es keine Schande, achter oder neunter zu werden."

Nach der Schule will der junge Tüftler studieren: "Technische Informatik und technische Kybernetik." Zuerst will er aber noch die automatische Schaltung verbessern. "Mal sehen, vielleicht baue ich zwei, drei Stück und biete sie an." In Paderborn habe ein Behindertenverein schon Interesse gezeigt.

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