Junges Gemüse : Veronika, der Spargel wächst

Der lange Winter hat auch das Wachstum des Beelitzer Edelgemüses um Wochen verzögert: Zum Saisonstart sind kaum Stangen da. Aber das ändert sich bald.

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Weißes Gold. Auch wenn der endlose Winter den Spargel vom rechtzeitigen Sprießen abhielt – für ein paar dekorativ präsentierte Körbe mit dem Edelgemüse, wie hier beim Saisonstart in Schäpe, reicht es allemal.
Weißes Gold. Auch wenn der endlose Winter den Spargel vom rechtzeitigen Sprießen abhielt – für ein paar dekorativ präsentierte...Foto: ZB

Das Dauerlächeln der neuen Beelitzer Spargelkönigin Michaela Kranepuhl musste am Donnerstag auf dem Feld im kleinen Dorf Schäpe Wunder wirken. Die 28-Jährige, Studentin der Agrarwissenschaften an der Humboldt-Universität, versuchte so mit Charme den bislang schwierigsten Saisonstart der vergangenen zwei Jahrzehnte zu überspielen. „Die Ernte reicht nach dem langem Winter leider noch nicht für alle“, sagte sie, „aber dafür steigt die Vorfreude auf die kommenden Tage.“ Dann werde es die begehrte Spezialität garantiert überall geben.

Auch der Chef des Beelitzer Spargelvereins, Manfred Schmidt, versprach ein „ausreichendes Angebot“ schon fürs kommende Wochenende. „Wir vertrauen einfach der Natur, die den Rückstand schnell aufholen wird.“ Deshalb habe man auch den Saisonstart nicht verschoben. Das sei nur ein einziges Mal der Fall gewesen: Vor elf Jahren habe es Mitte April kaum Sonne gegeben, so dass man auf den 30. April ausweichen musste.

Manfred Schmidt gewann den diesjährigen Problemen rund um Beelitz sogar noch Positives ab. „Wer wirklich frischen Spargel aus unserem Anbaugebiet verkosten will, muss sich in den nächsten Tagen zu einem unserer 15 Spargelhöfe auf den Weg machen“, sagte er. „Dort finden sich garantiert genügend Stangen unter den Planen, damit jeder seinen Heißhunger stillen kann.“

Die knappen Mengen führen allerdings derzeit zu einem hohen Preis. Zwischen zehn und zwölf Euro kostet derzeit das Kilo Edelgemüse. Im Laufe der Saison, die bis zum 24. Juni dauert, sinken die Preise mindestens um die Hälfte. Falls die Prognose des Spargelvereins eintrifft und überall die Ernte gleichzeitig beginnt, dürfte das massenhafte Angebot ebenfalls die Preise drücken.

Immerhin, die Qualität soll nach Auskunft der Spargelbauern nicht unter dem langen Winter gelitten haben. „Spargel muss schnell wachsen, damit er seinen süßlich-nussigen Geschmack entfalten und behalten kann“, erklärte Jürgen Jakobs vom gleichnamigen Spargelhof. Deshalb hätten die Pflanzen gar keine Zeit, holzig zu werden. Dazu trage natürlich wie immer auch der sandige Boden mit einem gewissen Lehmanteil bei. An schönen Tagen, mit Temperaturen über 22 Grad Celsius, schießen die Stangen im Schnitt fünf Zentimeter in die Höhe. Das Gardemaß liegt bei mindestens 20 Zentimetern.

Auf das Gesamtergebnis der Ernte dürfte der verspätete Saisonstart keinen Einfluss haben. „Wir rechnen wieder mit 7000 bis 8000 Tonnen“, sagte Spargelvereinschef Schmidt. Diese wachsen auf einer 1300 Hektar großen Anbaufläche. 1990 waren es nur wenige Hektar. Schon allein deshalb spricht Schmidt von einem „Spargelwirtschaftswunderland“.

Das erlebt jeder Besucher bei einem Rundgang durch die Spargelhöfe. Die Restaurants bieten ein ausgesprochen hohes Niveau sowohl innen als auch unter freiem Himmel. Dazu kommen viele weitere Angebote wie Kletterpark, Streichelzoo oder gut bestückte Hofläden. Beelitz gilt als größtes zusammenhängendes Anbaugebiet Ostdeutschlands. Zusammen mit den Spargelfeldern im Spreewald, im nördlichen Berliner Umland und in der Prignitz kommt Brandenburg mit einer fast 3000 Hektar großen Fläche hinter Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen bundesweit immerhin auf Platz drei.

Über die genauen Umsätze schweigen die meisten Spargelbauern. „Selbst ich erfahre nicht die Einnahmen bis zur letzten Kommastelle“, bekannte Manfred Schmidt mit einem Augenzwinkern. Aber ein Spargelhof kann durchaus mit einer Goldgrube verglichen werden. Immerhin kaufen von 100 Haushalten in Deutschland 47 mindestens einmal jährlich Spargel. In Berlin-Brandenburg liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei 1,2 Kilo. Damit wird die Hälfte der gesamten Beelitzer Spargelernte in der Region abgesetzt. Die andere Hälfte geht in andere Bundesländer.

In jedem Jahr sind bisher die Hektarerträge sogar noch gestiegen. Doch bei allen neuen Technologien, die vor allem die Planen auf den Feldern ständig weiterverbessern, entscheidet am Ende das Wetter über den Ernteerfolg. Da hilft leider selbst das schönste und längste Lächeln der Spargelkönigin nur bedingt weiter.

Wo es in und um Beelitz Spargel gibt

Rieben: Spargelhof am Storchennest, Dorfstr. 25,

www.spargelhof-am-storchennest.de

Reesdorf: Hofladen Reesdorfer Bauern, Ausbau 1,

www.reesdorfer-bauern.de

Beelitz: Jakobs-Hof,

Kähnsdorfer Weg 15,

www.jakobs-hof.de

Schäpe: Josef Jakobs Spargelhof, Schäpe 21,

www.jakobs-hof.de

Klaistow: Spargel- und Erlebnishof, Glindower Str. 28, www.buschmann-winkelmann.de

Elsholz: Spargelhof,

Bahnhofsweg 2 a,

www.spargelhof-elsholz.de

Busendorf: Spargelhof Hugo Simianer & Söhne,

In den Steegwiesen 1,

www.beelitzer-spargel.com

Zauchwitz: Spargelhof, Karl-Ludwig Syring,

Trebbiner Str. 69f,

www.beelitzerspargel.de

Verein Beelitzer Spargel, Tel.: 03 32 04 / 42 11 2

Kunst und Ostalgie: Der Vielfruchthof Domstiftsgut Mötzow in der Nähe von Brandenburg (Havel) bietet nicht nur Spargel, sondern auch Kunst und ein Ostalgie-Museum (www.vielfrucht-hof.de)

Grün und weiß: 80 Prozent der in Berlin-Brandenburg verkauften Stangen sind weiß. Der Rest entfällt auf grünen Spargel, der aber erst Anfang Mai in den Handel kommt.

Spargel im Museum: Alles rund um die vor 2500 Jahren begründete Tradition des Anbaus des edlen Gemüses zeigt das Spargelmuseum Beelitz im Ortsteil Schlunkendorf. Die Ausstellung widmet sich der Botanik der Pflanze, der Technologie, der Geschichte des Beelitzer Spargelanbaus und spart auch Aspekte der allgemeinen Kultur- und Kunstgeschichte und der Heilkunde nicht aus. Viele Leihgaben stammen aus dem Europäischen Spargelmuseum in Schrobenhausen. Bis zum 30. Juni ist das Haus täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Danach ist es nur auf Anmeldung zu besuchen. Informationen unter der Telefonnummer 0332 04 / 42 11 2.

Spargelstadt: Zum traditionellen Spargelfest am ersten Juni-Wochenende soll auf den Beelitzer Ortseingangsschildern der offizielle Zusatz „Spargelstadt“ stehen. Einen entsprechenden Antrag stellten die Stadtverordneten einstimmig an das Brandenburger Innenministerium. Zum Fest gibt es „Spargel satt“ und ein großes Unterhaltungsprogramm. Mehr unter der Internetadresse www.beelitz.de

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