Berlin : Jungunternehmer vermietet umgebaute Luftschutzräume an Bands

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Vor knapp 60 Jahren sollten sie Schutz im Bombenhagel bieten - doch was fängt man heute mit den alten Bunkern aus dem Zweiten Weltkrieg an? Meterdicke, fensterlose Mauern, schmale Türen und die wuchtige Form schränken die Möglichkeiten ein. Probenden Musikern, Zeitgenossen, die sich abschotten müssen, kommt einer dieser Betonkolosse nun gelegen: An der Neuköllner Hermannstraße 134 vermietet Existenzgründer Karsten Biere darin seit Anfang des Monats sieben Probenräume. In den schalldichten Kabinen, etwa drei Meter unter der Erde, können sich Bands nach Herzenslust austoben, ohne dass sich lärmgeplagte Nachbarn beschweren.

Anderthalb Jahre haben Biere und ein paar Freunde an dem "Musikbunker" neben dem Emmaus-Kirchhof gewerkelt: Zwischenwände herausgestemmt, Toiletten eingebaut, Teppiche und Dämmstoff verlegt. Für eine neue Belüftungsanlage musste eine Spezialfirma die 1,6 Meter dicke Stahlbetondecke durchbohren - ein Bohrkern steht heute wie eine Trophäe in der unterirdischen Lobby, wo hartgesottene Rocker auch ein Bier oder eine Limonade bekommen.

Rund 400 000 Mark hat der 32jährige Biere investiert, jeder Raum ist mit einem Schlagzeug, Gitarren- und Bassverstärkern sowie einer Gesangsanlage ausgerüstet. Nur eine zentimeterdicken Stahltür und eine Ausgleichsklappe für die Druckwellen erinnern noch an den Krieg.

"Gut zum Austesten", findet Sabine Herzblut den Musikbunke. Sie ist eine der ersten, die in den neuen Räumen üben. Viele Musiker seien auf der Suche nach dem richtigen Gespann, sagt Biere. Im Musikbunker könne man unverbindlich für ein paar Stunden probieren, was die anderen draufhaben, ohne einen Raum gleich für einen ganzen Monat mieten zu müssen. Die Drummerin Herzblut, die früher einmal zu den "Voices of Neukölln" gehörte, hat sich beispielsweise mit dem Gitarristen Matthias Moser zusammengetan. Zwei oder drei Mal in der Woche wollen sie fünf Stücke einstudieren, die Moser geschrieben hat. "Harte Gitarren, deutsche Texte und ein paar elektronische Spielereien", kündigt Moser an. "Dreckig und abgefahren". Die neuen Doppeltüren schließen sich - und nach draußen dringt kein Mucks.

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