• Justiz fürchtet um Neuköllner Modell: Streit um Veränderungen bei Jugendgerichtshilfe

Justiz fürchtet um Neuköllner Modell : Streit um Veränderungen bei Jugendgerichtshilfe

Aufgrund von organisatorischen Veränderungen könnte die Jugendgerichtshilfe künftig womöglich weniger wirkungsvoll mit der Justiz zusammenarbeiten als bisher.

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Sie sind unverzichtbare Partner der Jugendrichter und tragen entscheidend dazu bei, dass sich jugendliche Straftäter umgehend vor Gericht verantworten müssen: Damit unterstützen die acht Jugendgerichtshelfer des Bezirks Neukölln das sogenannte „Neuköllner Modell“. Doch nun sind sie selbst sowie die Richter, mit denen sie kooperieren, verunsichert. Es gibt Befürchtungen, dass die Jugendgerichtshilfe künftig weniger wirkungsvoll mit der Justiz zusammenarbeiten kann. Der Grund sind geplante neue Zuständigkeiten. So sollen die Sozialarbeiter nicht mehr ein weitgehend selbständiges Team mit eigenem Leiter sein. Stattdessen will Sozialstadträtin Gabriele Vonnekold (Grüne) die Gruppe einem Regionalleiter im Jugendamt unterstellen, der auch noch andere Zuständigkeitsbereiche hat.

Das „Neuköllner Modell“ wurde von der 2009 verstorbenen Jugendrichterin Kirsten Heisig angeschoben. Dabei erhält die Justiz von den Jugendgerichtshelfern rasch Informationen zur Biografie jugendlicher Straftäter. Zugleich schlagen die Helfer auch Sanktionen vor, mit denen die Tat bestraft werden könnte. „Durch diese enge Zuarbeit können wir uns schnell ein Bild verschaffen und eine Verhandlung bald ansetzen,“ sagt der Neuköllner Jugendrichter Günter Räcke. Nun aber ist er „befremdet.“ Die Justiz sei über die strittigen Umstrukturierungen bislang gar nicht informiert worden, sagt er.

„Das ist doch noch längst nicht fertig abgestimmt“, sagt Stadträtin Vonnekold. Zugleich widerspricht sie Befürchtungen, die derzeit zentral an der Hermannstraße untergebrachte Gerichtshilfe werde auf mehrere Dienstsitze verteilt. „Alle bleiben dort zusammen“. Allerdings müsse der bisherige Leiter in einen anderen Amtsbereich wechseln. Dadurch falle zwar eine Kraft weg, das sei aber kein Problem, weil sich die Zahl der Jugenddelikte 2011 leicht verringert habe. Dass die Gerichtshilfe künftig einem anderen Chef unterstellt ist, begründet sie mit „berlinweiten Vereinheitlichungen“. In anderen Bezirken sei diese Struktur schon seit vielen Jahren üblich.

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