Berlin : Juwelier schließt nach drei Überfällen

Drei Angehörige der polnischen Hammerbande kurz nach der Tat gefasst / Räuber saßen in der Kneipe beim Bier

Tanja Buntrock

Nach dem Überfall auf das Juweliergeschäft „Scheibel“ gelang es der Kriminalpolizei, nicht nur zwei so genannte „Bauern“ aus der unteren Ebene der berüchtigten Hammerbande zu fassen. Wie nun bekannt wurde, überführte die Kripo in der Nacht zu Mittwoch auch einen der Hintermänner. Das Juweliergeschäft „Scheibel“ blieb gestern geschlossen: Nur Kunden, die reparierten Schmuck abholen mussten, wurden bedient. Wie zu hören war, plant „Scheibel“ nach dem dritten Überfall in diesem Jahr das Geschäft an der Tauentzienstraße endgültig zu schließen.

Die Räuber, zwei 34 und 17 Jahre alte Polen, waren – wie berichtet – am Dienstag um 14.30 Uhr in einem günstigen Moment in das Juweliergeschäft „Scheibel“ gelangt. Der 34-jährige Täter bedrohte die Angestellte mit einer Waffe und nahm sie in den Schwitzkasten. Dabei wurde die Frau auch am Kopf verletzt. Der 17-jährige Täter zerschlug mit einem Hammer die Vitrine und raffte Schmuck und Uhren zusammen. Dann flüchteten die Männer in Richtung Gedächtniskirche. Passanten beobachteten dies und gaben der Polizei die entscheidenden Hinweise. Die Beamten fanden die Räuber wenige Minuten nach der Tat bei einem Glas Bier unweit des Tatortes in der Kneipe „Pinte“, die zum Crowne Plaza Hotel in der Nürnberger Straße gehört. Den Rucksack mit der Beute im Wert von mehreren tausend Euro hatten sie noch dabei. „Durch weitere Ermittlungen ist es uns wenig später gelungen, den Hintermann zu schnappen“, sagte Manfred Schmandra vom Raubdezernat. Der 28-jährige Pole habe die Tat geplant und die beiden Komplizen mit der Waffe und dem Tatwerkzeug ausgestattet.

Die Kripo teilt die Struktur der Hammerbande, deren Mitglieder hauptsächlich in der polnischen Stadt Koszalin rekrutiert werden, in drei Ebenen ein: In der unteren sind die so genannten „Bauern“ tätig. Sie führen die Raubtaten aus. In der mittleren Ebene arbeiten die Hintermänner, auch „Residenten“ genannt: Sie planen die Taten und instruieren die „Bauern“. Ganz oben stehen die „Köpfe“ der Bande. Diese leben in Polen und kassieren nach den Raubtaten ab. Die Hammerbande, die wegen ihrer Vorgehensweise so genannt wird, soll bislang 200 Raubtaten in Deutschland und dem benachbarten Ausland begangen haben. In Berlin sollen sie 19 Mal zugeschlagen haben. 12 Taten konnten bislang aufgeklärt werden. Bisher konnte die Polizei 14 Mitglieder der Bande festnehmen.

Begonnen hat die Raubserie mit einem Überfall im Februar 2001 auf den Juwelier Sedlatzek am Kurfürstendamm. Er wurde ebenso wie die Juweliere Bucherer (Kurfürstendamm) und Türler (Unter den Linden) mehrmals beraubt.

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