Berlin : JVA Tegel: Hungerstreik geht weiter

I.B.

Noch immer befinden sich Häftlinge in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Tegel in einem Hungerstreik. Wie erst jetzt bekannt wurde, verweigern 30 Gefangene in der Teilanstalt II die Annahme der Anstaltsnahrung, 22 von ihnen lehnen jede Nahrungsaufnahme ab. Das bestätigte der Sprecher der Senatsjustizverwaltung, Sascha Daue.

Die Streikenden haben einen mehrere DIN-A4-Seiten umfassenden Forderungskatalog übergeben. Die Gefangenen bemängeln unter anderem den schlechten, unhygienischen Zustand der Waschräume und die kurzen Duschzeiten - täglich stehe nur eine halbe Stunde warmes Waser zur Verfügung. Außerdem fordern die Gefangenen, vakante Sozialarbeiterstellen wieder zu besetzen, Hafterleichterungen für ausländische Häftlinge in Abschiebehaft und kürzere Einschlusszeiten. Auch die Signalanlagen in den Zellen, mit den die Gefangenen in Notfällen Hilfe herbeirufen können, seien antiquiert und funktionierten oft nicht. Außerdem schmecke ihnen die Anstaltsverpflegung nicht, sagte Daue. Erst am vergangenen Freitag hatten 32 Inhaftierte der Tegeler Teilanstalt III nach zwei Tagen einen Hungerstreik beendet. Senatsverwaltung und Anstaltsleitung hatten ihnen zugesagt, den Beschwerden über die Haftbedingungen nachzugehen. Warum in der Teilanstalt II die Gefangenen auch nach dem Ende im Haus III weiterstreikten, erklärt Justizsprecher Daue so: "In solchen Fällen gibt es immer Nachzügler, die nicht aufhören wollen." Diesen "Nachzüglern" hätten sich am Montag weitere Häftlinge angeschlossen.

Die beiden betroffenen Teilanstalten sind Gebäude, die Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet wurden. Entsprechend veraltet ist deren Zustand. Das gibt auch der Justizsenator Wolfgang Wieland zu.

Derzeit spricht nur die Anstaltsleitung mit den Gefangenen. Gegebenenfalls wird sich später auch die Senatsjustizverwaltung in die Verhandlungen einschalten, sagte Senator Wieland.

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