K.I.Z. Konzert : Männer müssen am Weltfrauentag draußen bleiben

Berliner Hip-Hopper K.I.Z. laden am Dienstag ins Lido. Rein kommen allerdings nur Frauen.

von
Rapper, Bluffer, Feministen? K.I.Z. (2. von links: Maxim Drüner). Foto: Promo
Rapper, Bluffer, Feministen? K.I.Z. (2. von links: Maxim Drüner). Foto: Promo

Bei denen weiß man nie, was sie gerade ironisch und was todernst meinen. Deshalb steht auf der Veranstalter-Homepage der ausdrückliche Hinweis: „Das ist kein Scherz!“

Am morgigen Dienstag wollen die Berliner Hip-Hopper K.I.Z. ein Konzert im Kreuzberger Lido geben. Und Männer dürfen nicht rein. Weil doch internationaler Frauentag ist! Nun kämpfen diese vier Rapper nicht direkt an vorderster Front der Genderbewegung. Sucht man in ihrem kreativen Schaffensprozess einen roten Faden, dann sind das wohl die anzüglichen, oft vulgären Texte, gespickt mit Porno-Vokabular und Gewaltfantasien. Ständig betonen die Musiker die Größe ihrer eigenen Geschlechtsteile („Ich wechsel das Kondom, gib mir mal den Wagenheber“), Frauen werden herabgewürdigt („Baby, ab in den Kerker, denn gleich spielt Hertha“). Und dies sind bloß die Zeilen, die man in der Zeitung abdrucken kann. Gleichzeitig wirft dieser Band kaum jemand Sexismus vor, weil ihre Reime so herrlich überdreht und voller Wortwitz sind, dass sie sich angenehm von der Berliner Gangsta-Konkurrenz abheben. Das kann doch alles nur Satire sein, schreibt das Feuilleton seit Jahren. Ironisch gebrochen! Auf den Konzerten trifft man linke Akademiker.

Der Abend im Lido soll nun Gelegenheit bieten, sich bei sämtlichen Frauen dieser Welt kollektiv zu entschuldigen. Für jeden nicht runtergebrachten Mülleimer und für jede irrtümliche Hexenverbrennung, so steht es in der Vorankündigung. Und das bitte soll kein Scherz sein?

Anruf bei Bandmitglied Maxim Drüner. Als Erstes erzählt er, dass ihm der Weltfrauentag schon wichtig sei, weil man damit Wiedergutmachung leiste und sich den Rest des Jahres getrost daneben benehmen könne. Darüber muss er selbst schmunzeln. Und dann sagt er, dass seine Band Uneindeutigkeit brauche. Dass es wichtig ist, dass es immer noch genug Leute gebe, die ihre Provokationen, die Frauenverachter-Posen und das Macho-Gesabbel tatsächlich ernst nehmen. Sonst wäre der Reiz weg. „Im Grunde führen wir ein riesiges Experiment durch.“

Was am Dienstag auf jeden Fall ernst gemeint ist: Männer kommen nicht mal rein, wenn sie ein gültiges Ticket in der Hand haben. Auch Verkleiden gilt nicht. Sogar Maxims engste Kumpel bleiben draußen. Immerhin findet nach dem Konzert im nahe gelegenen Comet Club eine Aftershow-Party statt, bei der auch Männer willkommen sind – und zur Begrüßung einen Gratis-Sekt bekommen. Außerdem, sagt Maxim, gibt es dieses Jahr garantiert noch ein weiteres Konzert in Berlin, dann für beide Geschlechter. Denn die Band hat gerade im Studio ihr neues Album fertig produziert, den Nachfolger ihres 2009er Charterfolgs „Sexismus gegen Rechts“. Es soll Anfang Juni erscheinen, ein erstes Lied daraus werden sie schon im Lido präsentieren: Es heißt „Deutschland schafft sich ab“, und nein, es gehe nicht direkt um Sarrazin.

Leider wird es immer schwerer, durch gezielte Geschmacklosigkeiten Tabus zu brechen, sagt Maxim. „Vielleicht sollten wir mal ein echtes Liebesalbum machen“, so mit Kitsch und Romantik. Das könnte schocken. Ist er denn selber ein bisschen romantisch? Ja schon, sagt er. Dann überlegt er und erzählt die Geschichte, wie er seiner Freundin mal einen Zettel in die Wohnung gelegt hat, auf dem stand: „Ich habe mir meine Finger abgeschnitten, sie liegen im Kühlschrank.“ Aber im Kühlschrank stand bloß eine selbst gebastelte Figur aus einer Milchtüte. Kurze Pause. Dann sagt Maxim: „Okay, vielleicht bin ich doch nicht romantisch veranlagt.“

Lido, Dienstag 21 Uhr, 16 Euro

Autor

3 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben