Kabinett Merkel : Wann wird endlich ein Migrant Minister?

Kanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Sarkozy diskutierten mit Schülern. Die waren nur teilweise zufrieden.

Ute Zauft
Migranten Foto: ddp
Hoher Besuch: Präsident Sarkozy und Kanzlerin Merkel im Gespräch mit Schülern in Reinickendorf. -Foto: ddp

Am Ende schob sich der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy eine Praline in den Mund. „Der Präsident liebt Schokolade“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und bedankte sich auch in seinem Namen für die von Fünftklässlern überreichte Pralinenschachtel. Beide schienen zufrieden mit ihrem gemeinsamen Besuch in der Romain-Rolland-Oberschule in Reinickendorf. Auch die Schüler auf dem Podium klatschten, allerdings eher zurückhaltend: Sie waren nicht mit allen Antworten auf ihre kritischen Fragen einverstanden.

Der Besuch von Merkel und Sarkozy war Teil des deutsch-französischen Ministertreffens zum Thema Integration. Damit hatten Merkels und Sarkozys Gesprächspartner reichlich Erfahrung: Die Mehrheit der Schüler auf dem Podium hatte einen Migrationshintergrund. Was sie unter Integration verstünden, wollten sie von den beiden Politikern wissen. Sowohl Merkel als auch Sarkozy betonten, dass sich immer beide Seiten bemühen müssten, damit Integration gelinge. Merkel appellierte an die Jugendlichen, „offen“ auf die jeweils anderen zuzugehen und sich nicht abzuschotten. Ramzi Fatfouta von der Rückert-Schule in Schöneberg hielt dagegen, dass doch die Aufnahmegesellschaft entscheide, wie viel Integration sie zulasse. Denis Barcic machte es konkret: „Ich wurde von einem Arbeitgeber als Praktikant abgelehnt, weil ich von der Rütli-Schule komme.“ Merkel fragte nach: „Haben die das so gesagt?“, und nannte es dann „nicht akzeptabel“.

Der Schlüssel zur erfolgreichen Integration sei die Sprache, sagte die Kanzlerin außerdem. Das hat Victorie Laly selbst erfahren. Vor acht Jahren kam sie aus dem afrikanischen Benin nach Deutschland. Die Sprache habe sie in der Schule gelernt, hätte sich damals aber mehr Unterstützung gewünscht: „Für alle, die nicht genug Deutsch können, sollte es obligatorische Sprachkurse geben, und zwar in der Schule.“ Merkel dagegen appellierte auch an die Eltern, ihre Kinder dazu anzuhalten, „mal ein deutsches Buch zu lesen“. Es sei „nicht nur die Aufgabe des Staates, dass Schüler die Sprache lernen“. Sarkozy rief die Jugendlichen auf, ihre Chancen besser zu nutzen. „Man bekommt nicht alles geschenkt, man muss kämpfen“, sagte der Präsident, dessen Vater aus Ungarn stammt.

Warum kein Minister mit Migrationshintergrund im Bundeskabinett sitze, wollte schließlich Tawga Radir von der Romain-Rolland-Oberschule wissen. Daraufhin gab die Kanzlerin zu: „Es ist an der Zeit, dass auch die CDU mal einen türkischstämmigen Bundestagsabgeordneten hat.“ Bei diesem Thema hatte ihr Kollege Sarkozy gute Karten: Seine Justizministerin Rachida Dati stammt aus dem Maghreb.

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