Berlin : Kachelmann verhagelt Potsdamer Wetteramt die Laune

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Von Stefan Jacobs

Der Donner des Gewitters vom Mittwoch hallt weiter nach: Das zum Deutschen Wetterdienst (DWD) gehörende, altehrwürdige Potsdamer Wetteramt steht trotz mehrfacher Unwetterwarnungen unter heftiger Kritik, und die Berliner Feuerwehr, langjährige zahlende DWD-Kundin, vereinbarte am Sonntag mit Jörg Kachelmann von der Meteomedia AG die Entwicklung eines neuen Warnsystems. Nach dem Orkan gilt der Schweizer als derjenige, der deutlich genug gewarnt hatte. Sein Prinzip, lieber jeden Sturm drei Mal anzukündigen als einen zu verschweigen, ist erneut aufgegangen, während bei der Potsdamer Behörde die Stimmung im Keller ist.

Georg Kerath, Leiter des Potsdamer Wetteramtes, bezeichnet Kachelmann als „Wunderheiler, der seine Künste ruhig auf den Markt stellen soll. Wir drapieren halt nicht alles so schön bunt.“ Allerdings gibt Kerath zu, dass es am Mittwoch durchaus etwas bunter hätte sein dürfen: Die verwendeten Formulierungen „Unwetterwarnung“ und „verbreitet schwere Gewitter“ stünden in der genormten DWD-Sprache zwar für die höchste Alarmstufe, seien aber vielleicht nicht deutlich genug für dauerberieselte Stadtmenschen. Kerath spricht von „Transport- und Übersetzungsproblemen“. Die Warnung des Kachelmann-Kollegen bedurfte dagegen keiner Übersetzung: „Bleiben Sie zu Hause!“, hatte er dem Fernsehpublikum kurz vor der Tagesschau geraten – keine halbe Stunde später rasten die tödlichen Böen über Berlin.

Die Feuerwehr will ab sofort mit Kachelmann ein präzises Warnsystem entwickeln, weil die Prognosen des DWD „nicht so detailliert sind, wie wir sie bräuchten“, sagt Wilfried Gräfling, stellvertretender Landesbranddirektor. In einer ersten Phase soll Meteomedia der Feuerwehr per Fax und Telefon melden, wenn sich am Himmel was zusammenbraut. Ab September sollen die Daten rund um die Uhr zur Verfügung stehen, speziell auf Feuerwehr-Bedürfnisse zugeschnitten. Bis dahin bleibt das Angebot für die Feuerwehr gratis. Wenn die Zusammenarbeit Erfolg verspricht, soll sie nächstes Jahr dauerhaft weiterlaufen – gegen Bezahlung und damit wohl als Konkurrenz zum DWD. „Über Geld haben wir aber noch nicht gesprochen“, heißt es bei Feuerwehr und Kachelmann. Die Chancen des Schweizers auf das neue Geschäft dürften gut stehen, denn Gräfling bezeichnet die DWD-Prognosen als „sehr abstrakt“ und verweist im gleichen Atemzug auf die neun Berliner Wetterstationen von Meteomedia, der DWD habe nur vier. Kachelmann gibt sich einerseits bescheiden, spricht von einem „neuen Werkzeug“ und versichert, dass ihm nichts ferner läge als schon jetzt ans Geldverdienen zu denken. Andererseits stichelt er gegen die DWD-Meteorologen, die sich nicht auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren könnten, „weil sie nebenbei noch lustige Radiointerviews geben“. Sein Personal – etwa zehn Mitarbeiter in Berlin und Brandenburg – wolle er vorerst nicht aufstocken.

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