KaDeWe-Coup : Christ gibt sich dekorativ gelassen

Am Mittwoch öffnete der Juwelier Christ im KaDeWe wieder die Türen - mit zum Teil leeren Vitrinen. Wie sieht’s im Kaufhaus nach der Plünderung aus?

Stefan Jacobs

Nur wenige sind am Mittwochmorgen ins KaDeWe gekommen, um die wiedereröffnete Christ-Filiale zu besichtigen. Punkt zehn Uhr öffnen sich die Türen, eine Lautsprecherstimme wünscht „unseren Kunden einen angenehmen Einkauf und unseren Mitarbeitern einen erfolgreichen Tag“. Für die Christ-Mitarbeiter beginnt der Tag mit Einräumarbeiten: Vitrinen und Schaukästen werden neu bestückt. In manchen liegt nichts weiter als ein Schild: „Wir dekorieren für Sie.“ Handwerker bugsieren eine Leiter durch die leidlich heile Glitzerwelt, einer holt einen Hammer aus der Werkzeugkiste, ein anderer zückt die Bohrmaschine und klettert unter eine Luke in der Zwischendecke. Was er hier mache? „Ich lege eine Leitung“, sagt der Mann im Blaumann. Und präzisiert in würdevollem Ton: „Nicht mehr und nicht weniger.“

An den Tagen zuvor, als die Filiale noch durch schwarze Stellwände abgesperrt war, sei er nicht hier gewesen, erzählt der Mann von der Leiter herab, während weißer Rigipsstaub aus dem Bohrloch eine bislang schwarz eingefasste Vitrine überzuckert. Die Nische nebenan ist der Edelmarke Breitling gewidmet – und fast völlig leer. Zwei weitere Handwerker spannen rot-weißes Flatterband. Während man ihnen zuschaut, schlendert zum dritten Mal ein Mann in Jeanskleidung hinter einem vorbei.

Auf der anderen Seite der Juwelenabteilung befinden sich immer noch die dunklen Flecken an der Wand, die ein Verkäufer tags zuvor als mutmaßliche Schuhabdrücke der vermutlich dort entlang gekletterten Gangster identifiziert hatte. Aber der Verkäufer ist nicht mehr zu sprechen, weil der Mann in Jeanskleidung wieder vorbeikommt und diesmal laut „Mahlzeit!“ ruft und eine oblatengroße Plakette zückt: Sicherheitsdienst. Was für Notizen man hier mache? Und dass man das bitte unterlassen und sich nicht hier herumtreiben möge. Insbesondere sei Fotografieren verboten, fügt der Mann präventiv hinzu und deutet dezent in Richtung Ausgang. Draußen ist alles wie immer. 

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