Berlin : Käfer trifft Trabi

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„Weißt du noch?“, fragen die Älteren und die Augen strahlen. Finger weisen auf Schalter, Lenkräder und Brezelscheiben, auf glänzende, karge Armaturen. Auch Kinder strahlen bei der Reise ins vergangene Jahrhundert. Auf zwei Etagen stellt das VWAutomobilforum Unter den Linden aus – oben Karossen der Moderne, unten Auto-Ikonen der Nachkriegszeit. „Rennpappe trifft Kugelporsche“, heißt die Ausstellung, die dem VW-Käfer und dem Trabi gewidmet ist. Plaste trifft Blech, heißt es. Obwohl die Besucher eines Besseren belehrt werden, denn der Trabi, ein Skelett beweist es, war (auch) aus hartem Stahl. Eine harte Schale hatte auch der gusseiserne „Hochzeitskäfer“, den VW-Arbeiter in Mexiko fertigten und der aussieht, als bestünde er aus Brüsseler Spitze. Das Auto wird heute noch eingesetzt. Sehr gut kommt auch das Polizei-Cabrio von 1949 an. Die Beamten mussten sich damals mit 25 PS und 100 Kilometer Spitze begnügen. Noch verliebtere Augen zieht der lindgrüne Käfer von 1951 auf sich, natürlich mit geteilter Brezel-Rückscheibe.

Ach, und erst das traumhafte, cremefarbene Käfer-Coupe von 1952, das sich ein Jurist extra umbauen ließ, weil er sich mit Massenware nicht begnügen wollte. Liebevoll streichen Besucher über die Linien, über die Scheinwerfer, wenn die Aufsicht mal nicht hinguckt. Schnell sieht auch das fast gleichaltrige Trabi-Cabrio aus, wie eine Rennpappe eben, aber es soll nur 100 geschafft haben . In Serie ging es nie.

Viele Besucher bleiben über Stunden. Und alle sehen sich länger um als oben bei den modernen Autos. Anschauen kostet nichts. C.v.L.

Rennpappe trifft Kugelporsche, Automobilforum Unter den Linden/Friedrichstraße, bis zum 23. Oktober.

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