Kälte, Frost und Schnee in Berlin : Hallo, Winter! Was tun?

Brauchen die Igel ein Obdach und die Vögel Futter? Ist es erlaubt, Streusalz zu nutzen? Diese und andere Fragen stellen sich in der kalten Jahreszeit. Hier sind die Antworten.

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Igel pflegen? Wohl lieber nur als Plüschtier! Oder sehr intensiv über mehrere Montate.
Igel pflegen? Wohl lieber nur als Plüschtier! Oder sehr intensiv über mehrere Montate.Foto: dpa

Der Jahreswechsel ist rum, mit der weißen Weihnacht ist es nichts geworden – aber jetzt kommt er doch noch, der Winter. Am Sonnabend zeigte das Thermometer in Berlin um die fünf Minusgrade, am Sonntag soll es ähnlich frostig werden. Es ist also an der Zeit, ein paar Fragen zur Jahreszeit zu klären und Licht ins Dunkel der kurzen Tage zu bringen.

VÖGEL FÜTTERN?

Wer Freude daran hat, sich die Natur vors Fenster zu holen, sollte es tun, sagt Derk Ehlert, Wildtierexperte beim Senat. Wer es lässt, muss aber auch kein schlechtes Gewissen haben: Das Futterhäuschen hilft ein paar Meisen in der Nachbarschaft, aber beeinflusst die Bestände kaum. Wer einmal angefangen hat zu füttern, sollte aber dabei bleiben und die Futterstelle regelmäßig reinigen sowie vorhandenes Wasser täglich wechseln. Außerdem muss der Futterplatz katzen- und rattensicher sein. Als Futter empfiehlt sich eine auf Ambrosia geprüfte Mischung (sonst drohen für menschliche Allergiker schlimme gesundheitliche Folgen). Wer mag, kann Meisenknödel selber basteln. Anleitungen gibt es online zum Beispiel beim Naturschutzbund Nabu.

Tausalz streuen? Auf keinen Fall!
Tausalz streuen? Auf keinen Fall!Foto: dpa

TAUSALZ STREUEN?

Keinesfalls! Verkauft wird das Salz zwar überall, aber die private Anwendung ist in Berlin aus guten Gründen verboten (und mit hohen Geldstrafen belegt): Das Salz reichert sich im Boden an und kann ihn und das Leben darin langfristig vergiften. In trockenen Sommern kann es sogar die dann besonders wertvolle Feuchtigkeit aus den Baumwurzeln zurück in den Boden ziehen. Die BSR darf zwar Hauptstraßen mit Salz streuen, verwendet dafür aber ein feuchtes Gemisch, das sich sehr sparsam dosieren lässt.

DAS AUTO WARMLAUFEN LASSEN?

Das ist laut ADAC bundesweit verboten, 10 Euro Strafe sind möglich. Außerdem ist es für die Umwelt und fürs Auto schlecht, weil Abgasreinigung und Motor sich im Stand nur sehr langsam erwärmen. Besser, man fährt direkt los und schaltet die Klimaanlage ein, falls die Scheiben von innen beschlagen.

PFLANZEN GIESSEN?

Was erst im Herbst in den Garten gepflanzt wurde, muss im Winter unbedingt noch gewässert werden – auch Laubgehölze. Nadelbäume benötigen ohnehin ganzjährig Wasser. Solange der Boden nicht steinhart gefroren ist, erreicht es sie auch. Also keine Scheu vor dem skeptischen Blick der Nachbarn, wenn man bei Frost die Kanne schleppt. Und: An frostfreien Tagen auch die (eingepackten) Balkon- und Terrassenkübel nicht vergessen. Die Wintersonne trocknet die Erde sonst aus. Kübelpflanzen verdorren häufiger, als sie erfrieren.

IGEL RETTEN?

„Nur, wenn das Tier deutlich unter 500 Gramm wiegt“, sagt Ehlert und gibt zu bedenken, dass ein Winterquartier monatelang zur Verfügung stehen muss – inklusive täglicher Fütterung. Vor der Entscheidung, einen Igel aufzunehmen, sollte man sich online über die Pflege informieren, zum Beispiel beim Arbeitskreis Igelschutz Berlin. Formal sind Igel geschützte Wildtiere, die nicht ohne triftigen Grund aufgenommen werden dürfen und nach dem Aufpäppeln freigelassen werden müssen.

WALDTIEREN HELFEN?

Die sogenannten jagdbaren Wildtiere dürfen auch im tiefsten Winter nicht gefüttert werden, weil sie sonst schnell zahm und damit problematisch werden. Die Natur hilft und reguliert sich selbst. Außerdem sind viele Tiere entweder in Winterruhe (zum Beispiel Waschbären) oder in der Paarungszeit (zum Beispiel Füchse und Wildschweine), was ihr Verhalten unberechenbar machen kann.

Laub beseitigen? Auf Rasen schon, sonst eher nicht.
Laub beseitigen? Auf Rasen schon, sonst eher nicht.Foto: dpa

LAUB BESEITIGEN?

Auf Rasen sollte kein Laub liegen bleiben, weil es schimmeln kann und darunter die Halme welken und faulen. Auf Wegen ist es unschön und kann rutschig werden. Sonst gilt das Gegenteil: „Laub ist Frostschutzmittel, Langzeitdünger und Nahrungsquelle“, sagt Ehlert. Eichen- und Nussbaumlaub kann mit dem Rasenmäher zerkleinert werden, damit es besser verrottet. Eine generelle Ausnahme ist Kastanienlaub, das wegen der darin überwinternden Miniermotten via Müll oder Laubsack entsorgt werden sollte.

SCHNEE WEGSCHIEBEN?

Das Straßenreinigungsgesetz verlangt einen Meter geräumte Gehwegbreite in Nebenstraßen, ansonsten eineinhalb. Geräumt werden muss vor 7 Uhr morgens, sonn- und feiertags vor 9 Uhr. Der Schnee gehört auf den straßenseitigen Gehwegrand, nicht aber auf Radwege oder Radfahrstreifen, Behindertenparkplätze und Haltestellen der BVG.

AN LICHTERKETTEN SPAREN?

Der nächtliche Lichterglanz im eigenen Vorgarten bereitet dem einen oder anderen menschlichen Stadtbewohner auch noch nach der Adventszeit Freude, solange es draußen früh dunkel wird. Für die Tierwelt ist das irrelevant: Der Vogelzug ist längst vorbei, Insekten sind in Winterruhe. Bleibt die Frage nach dem Strombedarf: Ein paar LEDs machen beinahe nichts aus, Lichterketten mit Glühlampen fressen viel mehr Strom.

AUF MILDES WETTER HOFFEN?

Ein milder Winter entlastet vor allem die Betriebskostenabrechnung, ein sehr kalter kann ein paar Tiere dahinraffen – aber nicht die typischen Plagen wie Mücken: Die meisten Insekten überstehen auch strengen Frost. Ihnen macht eher der häufige Wechsel kalter und milder Phasen zu schaffen.

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