Berlin : Kälteeinbruch: Die Bewag hat die Heizrohre aufgedreht

Hans Toeppen

Die Klimaanlagen liefen auf Hochtouren. 26 bis 29 Grad (über Null!) wurden zu dieser Zeit im vorigen Jahr gemessen. Die September-Sonne bullerte. Gestern waren es 15 Grad. Und die Bewag-Fernwärme heizt seit mehreren Tagen. Soll man sich dem anschließen, ohne Rücksicht auf den Heizölpreis? "Das sollte man tun", sagt Meteofax-Meteorologe Thomas Globig. Denn die Aussichten sind schlecht, dass man ohne Ofen- oder andere Wärme behaglich über die nächsten Tage kommt.

Der Winter hat noch lange nicht begonnen, aber psychologisch steckt man schon irgendwie drin. Den einen läuft die Nase, die anderen laufen griesgrämig herum oder im Mantel, und alle meckern über das Wetter. Kein Wunder. Am 1. September hat die Bewag ihre Heizrohre aufgedreht. Rechtlich ist sie noch nicht dazu verpflichtet, denn dafür müssten sich drei Abende mit weniger als 12 Grad um 21 Uhr hintereinander reihen. Wenigstens das war bisher nicht der Fall.

Aber das Unternehmen hat sich auch so schon klimatisch herausgefordert gefühlt. Im Ostteil der Stadt wird durchgängig geheizt, da technisch dort keine Unterbrechungen möglich sind. Im Westteil wird nachts noch abgeschaltet, wie Bewag-Sprecher Siegfried Knopf gestern sagte.

Der Herbst und der Winter könnten also teuer werden - nicht nur wegen der hohen Ölpreise. "Dieser September fängt nicht nur ganz anders an als der im vorigen Jahr, er wird am Ende auch ganz anders aussehen", sagte Globig gestern. 1999 war ein Luxus-September. Der zweitwärmste des Jahrhunderts, mit 16 Sommertagen, ein Herbst aus Samt und Seide. Kein Vergleich mit dem laufenden Jahr. Gestern lag das Temperatur-Maximum rund fünf Grad unter dem langjährigen Wert, und erst als die Sonne am Nachmittag mit Verspätung durchkam, wurde es etwas wärmer.

Das ist aber noch längst keine Wende. Für die nächsten Tage sagen die Meteorologen nichts Besseres an als "mal Sonne, mal Wolken, mal Schauer", die gewohnte undefinierbare graue Mischung. Und Temperaturen um 18 Grad, was nur Isländer behaglich finden werden. Deshalb also rät Globig zum Heizen.

"Die eingespielte Wetterlage, die wir jetzt haben, sagt nichts über eine schnelle Änderung aus." Selbst wenn der Altweibersommer noch irgendwann kommt, dürfte das am ehesten in der letzten Dekade des Monats sein - und dann sind die Tage noch kürzer als jetzt, steht die Sonne noch tiefer, und sind die Nächte noch kühler.

Alles schlechte Vorzeichen. Aber Globig wäre auch nicht überrascht, wenn gleich der ganze Winter abschreckend würde. So wie man statistisch etwa Erdbeben als überfällig bezeichnet, ist es hier mit dem Winter. Uns steht schon lange ein kalter zu. Außerdem fielen in Massen Eicheln und Kastanien, sagt Globig, und wer die Zeichen der Natur zu deuten wisse...

Heizen ist das Gebot der Stunde.

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