Berlin : „Kämpfen, bis die Gerechtigkeit obsiegt“

Wertheim-Erbin Barbara Principe ist zum Prozess um Grundstück am Leipziger Platz aus USA angereist

Matthias Oloew

Lächelnd bekräftigt Barbara Principe ihre Entschlossenheit: „Ich werde kämpfen, bis die Gerechtigkeit obsiegt hat.“ In ihrem Kostüm hat die 72-Jährige im Hotel Ritz Carlton Platz genommen vor einem Foto des ehemaligen Kaufhauses Wertheim am Leipziger Platz. „Der Fall Wertheim“ steht über dem Foto, darunter, auf Englisch: „Nach vorne schauen, ohne die Vergangenheit zu vergessen.“

Barbara Principe ist aus den USA angereist, weil heute das Berliner Verwaltungsgericht das erste Mal zum Rechtsstreit über die Grundstücke der Kaufhausfamilie Wertheim ein Urteil sprechen wird. Sie, die Tochter des Kaufhaus-Erben Guenther Wortham und Urenkelin des Konzerngründers Abraham Wertheim, wollte sich den Termin nicht entgehen lassen und die Chance nutzen, am Tag vor dem Prozess noch einmal die Geschichte ihrer Familie zu erzählen.

Es ist die Geschichte der jüdischen Kaufmannsfamilie Wertheim, die auf Druck der Nazis ihre Kaufhäuser und Grundstücke abgeben musste. Die Familienmitglieder, die dem Terror des Dritten Reiches entfliehen konnten, hatten in den USA ein neues Zuhause gefunden. Guenther, der seinen Namen amerikanisieren ließ und sich seither Wortham nannte, versuchte sein Glück als Hühnerfarmer. Kaum ein Wort über die Vergangenheit der Kaufmannsfamilie verlor der verbitterte Vater gegenüber seinen Kindern. So geriet das Erbe in Vergessenheit.

Umso mehr, weil die amerikanischen Wertheims 1951 von einem Anwalt und Vertrauten der Familie überrumpelt wurden, als er ihnen sagte, von ihrem Erbe sei nichts mehr vorhanden, die Kaufhäuser seien enteignet oder in Trümmern und deswegen nahezu wertlos. Gegen eine Zahlung von rund 5000 US-Dollar willigten die Wertheim-Brüder ein, auf ihr Erbe zu verzichten.

Vor Gericht klagen aber nicht die Erben, sondern KarstadtQuelle. Der Handelskonzern hatte 1993 Hertie übernommen und damit auch Wertheim. Nun will KarstadtQuelle einen Bescheid des Landesamtes zur Regelung offener Vermögensfragen (LaRoV) aus dem Jahr 2001 anfechten. Das Amt hatte der Jewish Claims Conference (JCC) das Wertheim- Grundstück an der Leipziger Straße zugesprochen, auf dem heute der Techno- Club Tresor steht. Karstadt als Rechtsnachfolger sieht sich als Eigentümer.

Es ist ein Musterprozess, der eine Vorentscheidung darüber bringen wird, wer Eigentümer der anderen Wertheim- Grundstücke im Wert von insgesamt mehreren hundert Millionen Euro ist. Es geht vor allem um drei Hektar am Leipziger Platz, aber auch am Lenné-Dreieck, auf dem heute das Beisheim-Center steht und damit das Hotel Ritz-Carlton, in dem Barbara Principe ihre Geschichte erzählt.

Über die Dauer des Prozesses macht sie sich keine Illusionen. „Nichts passiert schnell“, sagt Barbara Principe, „es dauert so lange, wie’s dauert.“ Und dann lächelt sie wieder.

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