Berlin : Kämpfer für die Caritas

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Nachdem Familiensenatorin a.D. Ilse Reichel (SPD) den Caritas-Direktor vor neun Jahren mit warmen Worten aus dem Amt verabschiedet hatte, erwachte in Hubert Pohl noch einmal der alte Kampfgeist. Nicht, dass zwischen ihnen immer alles glatt gelaufen sei, erwiderte Pohl der verehrten Frau Reichel. Er erinnerte sie an ein Wortgefecht, in dem sie ihn fragte: "Wollen Sie etwa das 13. Jugendamt werden?" Es ging um die Vermittlung von Pflegekindern. Pohl fand wie so oft, dass diese wichtige soziale Aufgabe dem Staat viel zu langsam von der Hand ging. Am Neujahrsmorgen hat Hubert Pohl seinen letzten Kampf verloren. Der ehemalige Caritas-Direktor starb nach einem langen Krebsleiden im Kreise seiner Familie.

Als Pohl sein Amt 1972 antrat, hatte der damals 46-Jährige der Caritas beinahe ein Vierteljahrhundert gedient. Schon 1949 war der frisch diplomierte Sozialarbeiter aus Freiburg nach Berlin gekommen, um hier die Ausbildung von katholischen Sozialfürsorgern nach dem Modell seiner Studienstadt mit aufzubauen. Vor seiner Berufung zum Direktor leitete Pohl die Gerichtshilfe der Caritas, die Haftentlassenen Wohnung und Arbeit besorgte.

Hubert Pohl wurde - als Nachfolger von Pfarrer Johannes Tobei - der erste weltliche Direktor der Caritas. Sein Amt hat er auch als politisches gesehen. Was heute als selbstverständlich gilt - möglichst viele soziale Aufgaben vom Staat an freie Wohlfahrtsverbände zu übertragen - hat Pohl in den siebziger Jahren mit erkämpft. Die richtig guten Zeiten, als bei der Aufgabenverteilung noch üppige Landesgelder flossen, seien allerdings allzu schnell vorbei gewesen, erinnerte sich der Direktor a.D. im März 2001 anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Caritas in Berlin. Der Etat sank in den achtziger Jahren kontinuierlich, nahm nach der Wiedervereinigung noch einmal einen kurzen Aufschwung, um dann weiter gekürzt zu werden - auch von Seiten der katholischen Kirche.

Die Straffälligenhilfe und die Kindererholung gehörten zu den Bereichen, die die Caritas noch unter Pohls Leitung aufgeben musste. Gleichzeitig wurde das Beratungsnetz der Caritas - mit psychozialen Angeboten und Anlaufstellen für Obdachlose - in der Ära Pohl aufgebaut, in den letzten Jahren bis zu seiner Pensionierung 1991 auch im Ostteil der Stadt.

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