Berlin : Kämpfer gegen die Kippen

Johannes Spatz hat die neue Nichtraucher-Kampagne des Senats initiiert

Annette Kögel

Johannes Spatz hat schnell aufgehört zu rauchen. „Damals war ich 15, und beim Leichtathletik-Training ist mir die Puste ausgegangen.“ Diese gesunde Abstinenz wünscht der heute 61-Jährige auch anderen Berlinern. Johannes Spatz hat mit dem Aktionsbündnis „Forum Rauchfrei“ die Kampagne initiiert, mit der Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (PDS) jetzt in Berlin fürs Nichtrauchen werben will.

Zum erklärten Ziel, der „Hauptstadt des Nichtrauchens“, ist es allerdings ein weiter Weg: In Berlin raucht jeder Dritte, damit verbreiten mehr Menschen blauen Dunst als irgendwo sonst im Land. Auch das Einstiegsalter liegt mit 11,6 Jahren unter dem Bundesschnitt von 13 Jahren. In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Anzahl jugendlicher Raucher zwischen 12 und 15 Jahren verdoppelt. Johannes Spatz ist überzeugt: Die wenigsten von ihnen wüssten, dass die Auswirkungen des Rauchens Todesursache Nummer eins sind. „Bei dem Thema kann man pragmatisch ansetzen und viel bewirken“, sagt der Anti-Raucher-Lobbyist. Diese Erfahrungen hat er mit dem „Forum Rauchfrei“, einem ehrenamtlichen Zusammenschluss zahlreicher Mediziner, Wissenschaftler und Senatsmitarbeiter gemacht.

„Prävention greift am besten, wenn man bei Preis, Werbung, Zugang zu Zigaretten und rauchfreien Zonen ansetzt“, sagt Spatz. Das ergab auch eine Untersuchung von Experten für den Bund. Deshalb will er auf Schulen einwirken, sich stärker mit Zigarettenwerbung zu beschäftigen. „Hier und dort“ werde das zwar schon gemacht. Seit dem Rauchverbot an Berlins Schulen vermitteln Forum und Bildungsverwaltung mehr Materialien für den Unterricht. Viele Jugendliche hoffen, mit Zigarette erwachsener zu wirken, weiß Spatz: „Auch da sollten die Schüler und Lehrer Alternativen entwickeln.“

Schulen könnten auch auf die Industrie einwirken: Zuletzt zog Reemtsma auf Drängen des Forums Motive für die Marke „Cabinet“ zurück, weil die Models jünger wirkten als 30. Spatz verweist auf eine Selbstverpflichtungserklärung der Tabakindustrie zu dieser Altersgrenze. „Das ist nicht die einzige Selbstverpflichtung, gegen die verstoßen wird.“ In Hohenschönhausen hatte Spatz 1999 untersucht, ob Tabakwerbung tatsächlich nicht in der Nähe von Schulen hängt. „Bei jeder zweiten Schule gab es einen Verstoß.“ Die überwiegend ehrenamtlichen Mitarbeiter der Kampagne „Berlin qualmfrei“ machen sich für eine Zigarettenautomaten-Bannmeile rings um Schulen stark – zwei Drittel aller Jugendlichen ziehen ihre Schachteln dort. „Und in keinem anderen Land hängen so viele Automaten wie in Deutschland.“ Für Schüler ist ein Videowettbewerb zum Nichtrauchen geplant – prämierte Filme sollen im „Berliner Fenster“ in den U-Bahnen laufen. Künftig müsse das Landesamt für Gesundheitsschutz den Schutz von Nichtrauchern am Arbeitsplatz genauer prüfen.

Schon an einem früheren Arbeitsplatz hat der Arzt das durchgesetzt. „1987 haben wir das Gesundheitsamt Wilmersdorf als eines der ersten rauchfrei gemacht.“ Heute ist Spatz Leiter der Stabsstelle „Gesundheit 21“ beim Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf; er war zuvor lange in der Entwicklungshilfe als „Flying Doctor“ etwa auf den Kapverden tätig. Aber Spatz kämpfte immer gegen Kippen. Sein nächster Gegner: „Lucky Strike. Die haben auf einem Plakat mit fünf Schachteln die Olympischen Ringe nachgestellt. Da ist jetzt das IOC dran.“

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