Berlin : Kaffeehaus-Kultur in der Karl-Marx-Straße

Die Neuköllner Oper hat sich zum 25. Jubiläum selbst beschenkt und bietet in einem früheren Kinosaal jetzt Kuchen mit Programm

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Berlin ist kein Vorreiter in Sachen KaffeehausKultur. Wer guten Kaffee oder Tee und dazu selbst hergestellten Kuchen oder frische Torten genießen will, muss sich auskennen. In den großen Einkaufsstraßen findet man solche Cafés nicht mehr. Jetzt gibt es etwas Neues. Gegen jeden Trend hat still und leise das Café „Götterspreise“ eröffnet, in Neukölln, an der Karl-Marx-Straße 131. Das Besondere daran ist die kleine Bühne, auf der ein Flügel steht. Was anderswo nicht geklappt hat, hier könnte es funktionieren: ebenso regelmäßige wie anspruchsvolle Kultur-Abende, denn das Café Götterspeise arbeitet mit der Neuköllner Oper zusammen.

Das Café ist ein Geschenk des Hauses an sich selbst. 25 Jahre ist die Neuköllner Oper im November geworden, Anlass genug, um einen Förderantrag bei der Lottostiftung zu stellen, um die Flure zu sanieren und ein Café einzurichten. Die Räume waren schnell gefunden. Zufällig gab das Passage-Kino, direkter Nachbar der Oper, eines seiner kleinen Säle auf. Aus „Kino 5“ wurde die „Götterspeise“. Pächter sind Ulla Boettcher und Armin Treitz. Die beiden betreiben schon das Café Savarin in der Kulmer Straße in Schöneberg.

„Götterspeise“ ist ein Opern-Café der etwas anderen Art. Einen Kronleuchter gibt’s auch hier, aber ansonsten ist das Interieur schnörkellos und modern gehalten – im Gegensatz zum anderen Opern-Café Unter den Linden. Und anders als in Mitte ist in Neukölln ein festes Programm geplant. „Wir haben Kontakt zur Universität der Künste. Unser Direktor Peter Lund ist dort Professor“, sagt Andreas Altenhof, Direktoriums-Mitglied der Oper. Die Studenten erhalten eine Chance, ihre Diplomarbeiten aufzuführen.

Das Programm teilt sich in verschiedene Sparten. Unter dem Motto „Alles Rogers“ sollen fast vergessene Komponisten wieder aufgeführt werden, zum Beispiel Richard Rodgers, Musical-Legende der Vierziger. „Auf Montage“ heißt eine Reihe, in der junge Nachwuchskünstler ihre Ideen auf die Bühne bringen. Das Ganze wechselt sich mit regelmäßigen Jam-Sessions und eigenen Arbeiten aus den Kreativ-Werkstätten der Oper ab. Los geht es im April und Mai.

Schon heute ist auf der „Götterspeisen“-Bühne etwas los. Die „Librettowoche“ beginnt. Acht Autoren stellen ihre Ideen für die Handlung eines Musiktheaterstücks vor und diskutieren mit einem prominent besetzten Podium: Wie finde ich eine gute Story? Welche Stoffe sind förderungswürdig? Wie kommen Text und Musik stimmig zusammen? Es debattieren zum Beispiel Regisseurin Doris Dörrie und Ex-Kultursenatorin Adrienne Goehler, aber auch Udo Zimmermann, Intendant der Deutschen Oper. Hintergrund der Aktion: „Das Texteschreiben für das Musiktheater ist eine Kunst, die kaum noch gelehrt wird“, sagt Altenhof. Mit der Librettowoche soll das anders werden. oew

Di – So. 10 bis 1 Uhr, Mo. von 13 bis 1 Uhr.

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