Kaiser-Friedrich-Museums-Verein : Der Präsident und der Prinz

Norbert Lammert hieß der diesjährige Ehrengast der traditionellen Adventsfeier des Kaiser-Friedrich-Museums-Vereins am Sonntag in der Gemäldegalerie. Der Bundestagspräsident kommentierte ein Bild, das den jüngeren Bruder Kaisers Friedrich des Großen, Prinz Heinrich, zeigt.

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Wenn ein Bochumer über Preußen spricht und es ist der Bundestagspräsident, dann ist das fast schon ein Politikum. Am Sonntag aber erfüllte es ein vorweihnachtliches Berliner Ritual: die alljährliche Betrachtung eines Bildes aus der Gemäldegalerie, mit der der Ehrengast des Abends die traditionelle Adventsfeier des Kaiser-Friedrich-Museums-Vereins schmückt. Norbert Lammert hatte dafür ein Porträt des Prinzen Heinrich, des jüngeren Bruders Friedrichs des Großen, gewählt: ein etwas dunkles Gemälde von Johann Heinrich Tischbein dem Älteren, das den Prinzen in Feldherrnpose zeigt. Weshalb dieser Griff nach einem Kunstwerk, das nicht zu den Stars der Sammlung gehört? So fragten sich viele in der wie stets bis auf den letzten Platz gefüllten Halle der Gemäldegalerie, während der Bundestagspräsident die Vita des Prinzen vortrug. Eine militärische Karriere, freilich eher als Meister des Rückzugs, dazu diplomatische Aktionen – doch immer im Schatten des berühmten Bruders, ohne Chance auf eine eigenständige Rolle.

Da markiert das Bild schon fast den Höhepunkt eines glücklosen Lebens, denn es zeigt den Prinzen als Sieger der Schlacht bei Freiberg, der letzten Auseinandersetzung des Siebenjährigen Krieges. Die halb tiefsinnige, halb ironische Volte seiner Bildwahl offerierte Lammert am Ende seines Vortrags. Denn dorthin stellte er ein Zitat des Historikers Leopold von Ranke: „Auf den leeren Seiten der Geschichte sind die glücklichen Tage der Menschheit verzeichnet.“ Der Hohenzollernspross – so verstand Lammert seinen Bild-Helden – als Verweis auf eine der größten Errungenschaften der Zivilisation: dass für unsere Bewertung historischer Verdienste nicht mehr Helden und Schlachten zählen.

Tessen von Heydebreck, der Vereinsvorsitzende, replizierte mit einem anerkennenden Urteil: Der Geist, der hier sprach, „war nicht der Zeitgeist“. Im Übrigen stellte er in Aussicht, dass sich der Verein im nächsten Jahr vor allem um junge Mitglieder bemühen wolle – und konnte dafür eine großherzige Spende von Graf und Gräfin von Oppenheim verzeichnen. Er musste nicht ankündigen, was dann im Programm folgte. Denn das gibt Jahr für Jahr dem Abend das lieb gewordene Gepräge: erst die Weihnachtslieder des Belcanto-Chores, dann das familiäre Zusammensein der Mitglieder des Vereins beim festlichen Buffet in der Eingangshalle.

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