Kaiserdamm : Denkmal für Giuseppe Marcone geplant

Vor einem Jahr starb der 23-Jährige am Kaiserdamm auf der Flucht vor U-Bahn-Schlägern. Sein Tod schockte die Stadt. Nun sammelt seine Familie Spenden für ein Mahnmal, das Opfern von Gewalt im Nahverkehr gewidmet sein soll.

Jan Stremmel
Ein Baumstumpf aus Aluminium: So könnte das Mahnmal aussehen. Die Wilmersdorfer Künstlerin Nicole Zäch hat es entworfen.
Ein Baumstumpf aus Aluminium: So könnte das Mahnmal aussehen. Die Wilmersdorfer Künstlerin Nicole Zäch hat es entworfen.Foto: promo/Marcone-Stiftung

Berlin - Der Tod von Giuseppe Marcone erschütterte vor einem Jahr viele Menschen in der Stadt, monatelang wurden am Tatort Blumen abgelegt und kleine Botschaften. Nun will seine Familie am U-Bahnhof Kaiserdamm in Charlottenburg ein Mahnmal errichten. Es soll an Gewaltopfer im Nahverkehr erinnern.

Der 23-Jährige war am 17. September 2011 ums Leben gekommen, als er auf der Flucht vor zwei Schlägern aus dem U-Bahnhof rannte und auf der Straße von einem Auto erfasst wurde. Die beiden Täter wurden im Frühjahr zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Die Familie des Opfers gründete daraufhin die Marcone-Stiftung, die sich gegen Gewalt in öffentlichen Verkehrsmitteln einsetzt. Sie will das Denkmal stiften; die Kosten sollen 30 000 Euro betragen. Der Entwurf stammt von der Wilmersdorfer Künstlerin Nicole Zäch, einer Freundin der Familie. Die mannshohe Skulptur in Form eines Baumstumpfs soll in Aluminium gegossen werden. Der Baum krümmt sich, stellenweise ist die Rinde aufgeplatzt, dahinter leuchtet ein blutrotes Mosaik. „Gewalt sollte nicht verschönert werden“, sagt die Künstlerin über ihren Entwurf. „Die Statue vermittelt schnell und deutlich die Botschaft: Gewalt verletzt immer. Und im schlimmsten Fall tötet sie.“

Das Denkmal wäre nicht das erste in Charlottenburg. Nur gut einen Kilometer weiter – auf dem Mittelstreifen der Kaiser-Friedrich-Straße Ecke Kaiserdamm – steht eine Skulptur, die an verunglückte Kinder im Straßenverkehr erinnern soll. Diese wurde errichtet, nachdem 2004 ein neunjähriger Junge auf dem Fahrrad von einem abbiegenden Lastwagen erfasst und getötet worden war. Damals hatte sich eine Nachbarschafts-Initiative für das Denkmal eingesetzt, der Bezirk unterstützte den Bau.

Ob das Denkmal am Kaiserdamm in der derzeitigen Form tatsächlich gebaut wird, ist nicht klar. Ein erster Entwurf war im Januar von der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) genehmigt worden. Dieser Entwurf hatte eine künstlerisch gestaltete Blumenschale vorgesehen. Die Marcone-Stiftung entschied sich aber später für eine größere Skulptur. Über den aktuellen Entwurf entscheidet die BVV. Noch gebe es keine Rückmeldung der Fraktionen, sagte der verantwortliche Bezirksstadtrat Marc Schulte (SPD). „Ich selber kann mir das sehr gut vorstellen, richte mich aber nach dem Votum der BVV.“ Neben der behördlichen Genehmigung ist auch die Finanzierung des Denkmals noch unklar. Die Stiftung sammelt derzeit noch Geld. Jan Stremmel

Details zu den Kosten und mehr Bilder vom Denkmal finden Sie auf der Facebook-Seite der Stiftung – sowie unter der Adresse tinyurl.com/8ctxwwk

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