Berlin : Kaiserlich klassisch HINTER DEN FASSADEN DER DIPLOMATIE: BERLINER RESIDENZEN (5)

Das Lächeln Japans in Tiergarten: Zu Hause bei Botschafter Issei Nomura

Natascha Meuser/Tsp.

Botschafter sind privilegierte Menschen. Sie leben, wie der Normalbürger es sich vorstellt: in eleganten Berliner Villen. Doch ihr Heim ist immer auch Dienstsitz – eine Bleibe auf Zeit. Und die Räume sind selten ganz privat, sondern immer in erster Linie Repräsentanz. Unsere Serie ermöglicht einen Blick durchs Schlüsselloch – in die feinsten Residenzen der Stadt.

Jeder Raum taugt zur Repräsentation, private Erinnerungsstücke sind kaum arrangiert: Was im schneeweißen Westflügel an der Ecke Hiroshima-/Tiergartenstraße zur Botschaft gehört und was zur Residenz des Hausherrn, ist kaum zu trennen. Stilvolle, Stuck verzierte Räume: Hier dürfte der Kaiser jederzeit klingeln.

Schon das Vestibül bereitet den Besuchern einen imperialen Empfang. Ein großzügiger Treppenaufgang, der ganz mit rotem Marmor verkleidet ist, führt zur Beletage: etwa ein Dutzend großzügiger Räume, die kaum an japanische Traditionen erinnern, sondern eher dem Ideal abendländischer Noblesse entsprechen. Es ist der Versuch, an die neoklassizistische Innenarchitektur der 30er und 40er Jahre anzuknüpfen.

Denn das Haus am Tiergartenrand war 1938 bis 1942 als Kaiserlich Japanische Botschaft errichtet worden. Es galt neben der italienischen Botschaft als Musterbau des neuen, von Albrecht Speer entwickelten Botschaftstyps – Kanzlei, Repräsentanz und Residenz unter einem Dach –, bis Luftangriffe die Bauten unbewohnbar machten. Erst in den achtziger Jahren wurde das Gebäude rekonstruiert. Der japanische Architekt Kisho Kurokawa fügte auf der Gartenseite moderne Akzente hinzu, Ende der Neunziger folgte die Ergänzung nach dem Entwurf des Tokioters Ryohei Amemiya. So wurde das Botschaftsgebäude im Juni 2001 bereits zum dritten Mal eröffnet.

Von jedem Zimmer aus fällt der Blick gen Süden in den kunstvoll angelegten traditionellen japanischen Garten mit Teichen und weißen Kiesflächen. Dort gedeihen nicht nur japanische Kirschblüten, sondern auch kleinwüchsige dunkle Gehölze – etwa Zierahorn. Blüten und Blätter hüllen den Garten je nach Jahreszeit in ein pastellfarbenes bis kräftig rotes Gewand. Höhepunkt eines Rundgangs ist zweifellos der Teepavillon im Obergeschoss. In einem Raum, der sein Licht durch Deckenfenster erhält, steht das hölzerne, mit Matten ausgelegte Häuschen – ein Pavillon, der das Japan-Klischee bedient. In den Genuss der zwei- bis dreistündigen Teezeremonien gelangen nur ausgesuchte Gäste.

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