Berlin : Kalt erwischt

Ariane Bemmer

friert angesichts der entrümpelten Gesetze Die Tücke der Begeisterung liegt im Überschwang. Wir Bürger erleben das jedes Mal, wenn wir unsere Keller, Schränke, Papierstapel oder Buchsammlungen entrümpeln – und danach feststellen, dass der gerade weggeschmissene Ringelpullover nächsten Sommer wieder sehr modern ist, der zerschredderte Ordner noch Rentenbescheide enthielt und der im Altpapier gelandete Roman plötzlich wieder im Gespräch ist. Nun hat sich die Berliner Verwaltung ans Entrümpeln gemacht und mit kühnem Schwung wurden lästige oder alles verkomplizierende Vorschriften über Bord geworfen, darunter jene, dass Hotelzimmer beheizt sein müssen. Und man darf sich fragen: Hat sich die Verwaltung hinreißen lassen? Beheizbare Hotelzimmer wurden zur Nachkriegszeit vorgeschrieben, als mancher Reisender allabendlich zum frierenden Würstchen wurde. Wegen der Rohstoffknappheit. Und steht denn diese nicht erneut vor der Tür? Ölverknappung, Förderstreit, Krise im Irak und so? Und guckt die Verwaltung denn nie aus dem Fenster? Da draußen ist Winter. Das ganze Jahr schon. Da kann man das Heizen gar nicht fest genug in den Gesetzen verankern.

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