Berlin : Kalt erwischt

Ariane Bemmer

Ja, da stehen wir nun, falsch angezogen im schneidenden Wind, mit unseren Flattertops, kurzen Hosen und Flip-Flops, und können es kaum fassen. Der Jahrhundertsommer der vergangenen Wochen ist übergangslos abgestürzt in einen mittelwarmen, mittelschönen Durchschnittsaugust. Mit Wolken! Mit Böen! Mit Regen! Dabei weiß doch kaum einer noch, wie man sich solchem Wetter entsprechend kleidet. Kaum einer hat Langärmeliges vorrätig, und wer weiß schon so schnell, wo seine Socken lagern? Ungezählten T-Shirts wurden während der Hitzeperiode die Ärmel abgetrennt, manche Hose verlor die Beine, dicke Schuhe wurden für Krisengebiete in kalten Regionen gespendet, Wolldecken ans Rote Kreuz verschenkt, Strickjacken aufgeribbelt und der Katze zum Spielen zugeworfen. Der Mantel diente als Segel für die Luftmatratzentour über den Müggelsee, die Steppjacken hat man im Keller vergraben. Und nun dies. Jetzt wird der erst kürzlich gekaufte Wasserschlauch, mit dem wir eigentlich die verdörrten Bäume vor der Haus gießen wollten, auf dem Balkon nass geregnet, und wir müssen uns wieder daran gewöhnen, dass Wetter in der Regel unbeständig ist.

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