Kalter August in Berlin : Meteorologe verspricht die Rückkehr des Sommers

Der August bleibt vorerst ungemütlich. Aber ab nächste Woche soll es besser werden - mit einem warmen Spätsommer. Das sagt Meteorologe Jörg Riemann.

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Platz da. Zwar hat der Wannsee knapp 20 Grad, aber zum Baden lädt das Strandbad bei der kalten Luft zurzeit nicht ein.
Platz da. Zwar hat der Wannsee knapp 20 Grad, aber zum Baden lädt das Strandbad bei der kalten Luft zurzeit nicht ein.Foto: dpa

Herr Riemann, wir sind mitten in den Hundstagen, also der statistisch heißesten Zeit des Jahres – und frieren morgens bei kaum zehn Grad. Was ist da los?

Die Luft kommt auf kürzestem Wege vom Nordpolargebiet zu uns. An der Wetterstation Eiskeller hatten wir schon Mittwochfrüh nur sechs Grad, in Tegel und Buch waren es neun, gemessen jeweils in zwei Meter Höhe. Noch kälter war es am Boden – in Zehdenick nördlich von Berlin waren es dort nur drei Grad, und in Tegel am Boden sechs. Das dürfte Donnerstagfrüh ähnlich sein – und zwar in der ganzen Region, weil die Wolkendecke fehlt, die den Berliner Süden in der Nacht davor gewärmt hatte.

Müssen wir also als nächstes die Handschuhe rausholen?

Sieben Grad am 11. August 1965 sind für die Messstelle Dahlem der tiefste Wert für dieses Datum, der je registriert worden ist. Kälter kann es also nicht mehr werden. Und die Handschuhe braucht man höchstens frühmorgens kurz. Die Luft kann nachts überhaupt nur so kalt werden, weil sie sehr trocken ist. Das heißt aber auch, dass gleich morgens die Sonne scheint, sodass es schnell warm wird. Und wenn es einmal sonnig ist, wird es im August in unseren Breiten unvermeidlich mindestens 20 Grad warm.

Jörg Riemann ist Diplom-Meteorologe beim Wetterdienst Meteogroup. Das Berliner Büro des Unternehmens befindet sich in Adlershof.
Jörg Riemann ist Diplom-Meteorologe beim Wetterdienst Meteogroup. Das Berliner Büro des Unternehmens befindet sich in Adlershof.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Haben wir überhaupt noch eine Chance auf richtigen Hochsommer mit Badewetter in diesem Jahr?

Das Wetter ist seit Monaten durchwachsen, weil wir bisher keine beständige Hochdruckwetterlage hatten. Aber jetzt endet die Siebenschläferzeit – und die Chancen steigen, dass sich ein richtiges Hoch aufbaut. So ein Hoch ist sowohl statistisch überfällig als auch in unseren Wettermodellen schon sichtbar. Die Frage ist nur noch, wo es sich genau etabliert. Davon hängt ab, wie sehr wir von Wärme und Sonne profitieren. Ich würde sagen: Diese Woche können wir abhaken, zumal es am Freitag auch mal etwas kräftiger regnen kann. Aber am Wochenende wird es schon etwas freundlicher und wärmer, und im Laufe der nächsten Woche dürfte sich eine längere Schönwetterperiode anbahnen. Wenn wir Glück haben, bekommen wir einen richtig schönen Spätsommer mit warmen Tagen ohne allzu große Hitze. Den Herbst würde ich jedenfalls noch längst nicht ausrufen.

Jörg Riemann ist Meteorologe beim Wetterdienst Meteogroup in Berlin.

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