Berlin : Kalter Entzug

Werner van Bebber

Der Entzug dürfte viele, die aus dem Rheinland nach Berlin gezogen sind, noch immer schmerzen. Karneval geht hier einfach nicht. Man kann diese Erkenntnis verdrängen, wenn man in der „Ständigen Vertretung“ ein paar Kölsch zischt. Aber das trägt nicht weit in der Berliner Wirklichkeit. Die ist: nein, nicht eigentlich ernst, aber eben nicht so leichtlebig wie die Atmosphäre im Rheinland.

Mit Karin Schubert ist die Anwältin Kölscher Feierfreude aus der Politik ausgeschieden. Nun tut im Senat keiner mehr etwas für die Integration der Rheinländer. Klaus Wowereit feiert gern, aber anders, und Thilo Sarrazin wird dafür sorgen, dass der steuereinnahmebedingte Berliner Optimismus und Wowereits gute Laune nicht eskalieren. Die karnevalsgetriebene rheinische Lebensfreude bleibt auf Gebäude begrenzt, in denen rheinischer Singsang noch immer zu hören ist und in denen die Beamten an diesem Donnerstag mit alten Krawatten zum Dienst erschienen sind. Machen wir uns nichts vor: So lange sich Berlin gegen ein paar Tage naiven Frohsinn wehrt, wird die zweite, in Bonn residierende Regierungshälfte nicht zuziehen.

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